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Designierter NYPD-Chef: Die Karriere des Bill Bratton

Foto: © Mario Anzuoni / Reuters/ REUTERS

Designierter NYPD-Chef Bill Bratton Er ist New Yorks Top-Cop

Das New York Police Department ist die größte Polizei-Behörde der Welt. Der schillernde Bill Bratton soll es wieder übernehmen. In den Neunzigern war er schon einmal Chef-Polizist in der Millionen-Metropole. Er bekämpfte erfolgreich die Kriminalität - mit umstrittenen Methoden.

Bill Bratton begann seine Karriere als Cop im Kindesalter. So jedenfalls geht die Legende, die er selbst streut: Mit eineinhalb Jahren sei er aus dem Garten mitten auf eine vierspurige Straße gewackelt, um den Verkehr zu regeln. "Autos hielten an", schrieb er 1998 in seiner Autobiografie. "Eine Menschenmenge versammelte sich um mich."

Ob das wahr ist oder, zwecks Imagepflege, übertrieben, sei dahingestellt. Fest steht: Bratton, Amerikas wohl bekanntester Kriminalitätsexperte, liebt das Rampenlicht - und zieht es heute noch an, vier Jahre nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand.

Aus der Rente wird nichts. An diesem Donnerstag ernannte New Yorks designierter Bürgermeister Bill de Blasio den Vietnamveteran Bratton per Handschlag zum neuen Polizeichef der Millionenmetropole. Korrekter gesagt: zum neuen alten Polizeichef - Bratton hatte den Wahnsinnsjob schon einmal inne, vor genau 20 Jahren, als in Manhattan noch ganze Straßenblöcke als lebensgefährlich galten. "Bill Bratton hat bewiesen", sagte de Blasio, "dass sich Kriminalität effektiv bekämpfen lässt".

Viel hat sich getan seit den wilden Neunzigern, nicht nur in Manhattan, das zum keimfrei-überteuerten Vergnügungspark für Millionäre und Touristen geschrubbt wurde. Trotzdem steht Bratton vor enormen Sorgen, wenn er am Neujahrstag zum zweiten Mal das New York Police Department (NYPD) übernimmt, die mit rund 34.000 Beamten größte, kontroverseste und dennoch meistkopierte Polizeitruppe der Welt.

Kaum einer kennt die besser als Bratton, der sie schon von 1994 bis 1996 befehligte - und kaum einer hat diese Bühne besser zur lukrativen Selbstinszenierung genutzt. Die Verbrechensrate sank damals deutlich, dank Brattons neuer, aggressiver Polizeistreifenstrategie. Bratton posierte für das Cover des "Time"-Magazins, im Hollywood-Trenchcoat mit hochgeklapptem Kragen.

Fanal urbanen Horrors

Prompt war er seinen Job los, geschasst von Bürgermeister Rudy Giuliani, der keine anderen Medienstars neben sich duldete. Bratton zuckte die Schultern, vermünzte sein Talent in der Privatwirtschaft und fand zuletzt als Polizeichef von Los Angeles nur noch mehr Fans.

Zweifler halten den 66-Jährigen mit dem Faible für feinen Zwirn für eine Mogelpackung. Doch der Demokrat de Blasio sieht in Bratton den besten Mann, das sagenumwobene NYPD - wie den Rest der im November neu errungenen Kommunalmacht hier - zu reformieren und "Polizei und Bürger wieder zusammenzubringen".

Nach zwölf Jahren unter Multimilliardär Michael Bloomberg und seinem immer umstritteneren Polizeiboss Ray Kelly war das mehr als nötig. Deren Nachlass ist zwar eine historisch niedrige Kriminalitätsquote. Die Mordrate, einst Fanal urbanen Horrors, liegt auf dem tiefsten Stand seit 60 Jahren. Hält sich der Trend, könnte New York mit de Blasios Amtsantritt die sicherste US-Großstadt werden.

Doch die Sicherheit hat ihren Preis. Jahrelang sonderte die Polizei Schwarze und Latinos für wahllose Leibesvisitationen auf offener Straße aus. Erst Klagen haben die als "Stop and Frisk" berüchtigte Strategie eingedämmt, die bei den Bürgern ebenso verhasst ist wie bei den Cops beliebt. De Blasio will sie nun ganz abschaffen.

Kein Glück in London

Fragt sich, ob Bratton dafür der Richtige ist: Die heutigen Methoden des NYPD gehen auf ihn zurück.

Als rechte Hand des Law-and-Order-Republikaners Giuliani befreite er New York vom Fluch der Dauerkriminalität. Kritiker halten dagegen, dass die harten Jahrzehnte eine landesweite Plage waren - beendet durch demografischen Wandel, nicht aggressive Polizisten. Die Debatte tobt bis heute.

2002 wechselte Bratton an die Westküste, wo er das von Rassismus und Korruption geplagte Los Angeles Police Department (LAPD) aus der Endloskrise zog. Erst Jahre nach seinem Abgang trübte sich das Bild durch neue Vorwürfe im Skandal um Cop-Killer Christopher Dorner.

Auch Bratton wandte in Los Angeles "Stop and Frisk" an, schärfer sogar als in New York: Einer Harvard-Studie zufolge verdoppelte sich die Zahl der Straßendurchsuchungen unter ihm - mit höherer Verhaftungsquote.

Brattons Ruf schadete das nicht. Der britische Premier David Cameron wollte ihn nach London holen, scheiterte aber daran, dass dortige Polizeichefs die Staatsbürgerschaft haben müssen. Weshalb die Cameron-Regierung schnell ein neues Gesetz initiierte, das auch Ausländer zulässt. Für Bratton aber kam das zu spät.

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