Ex-Sänger der Böhsen Onkelz Kevin Russell muss Haftstrafe antreten

Kevin Russell wollte den Gang in den Knast unbedingt vermeiden. Der Ex-Sänger der Böhsen Onkelz sei zu krank, sagte sein Anwalt. Das Oberlandesgericht Frankfurt entschied nun anders: Russell muss ins Gefängnis, dort werde für ihn schließlich besser gesorgt als in Freiheit.

DPA

Frankfurt am Main - Sein Anwalt hatte gesagt, Kevin Russell würde die Haft nicht überleben, "die medizinische Versorgung dort ist nicht entsprechend". Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main ist anderer Meinung: Der frühere Böhse-Onkelz-Sänger muss hinter Gitter. Es gebe keine Anzeichen, dass sich sein Gesundheitszustand im Gefängnis verschlechtern könne, teilte das OLG am Montag mit.

Der Rocksänger war im vergangenen Jahr nach einem Verkehrsunfall mit zwei lebensgefährlich Verletzten wegen Körperverletzung und Unfallflucht zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Der von Alkohol, Drogen und einer Hepatitis-Erkrankung gezeichnete Russell weigerte sich bisher, seine Haftstrafe anzutreten.

Vor der rechtskräftigen OLG-Entscheidung hatte er vergeblich beim Landgericht Frankfurt geltend gemacht, er sei zu krank. Gegen den Beschluss des Landgerichts hatte der 47-Jährige Beschwerde eingelegt. Der 3. Strafsenat des OLG schloss sich nun der Entscheidung des Landgerichts vom 14. Juni an. Eine ärztliche Behandlung sei im Gefängnis möglich. Aufgrund der permanenten Überwachung des Verurteilten könne dort sogar schneller als in Freiheit medizinisch reagiert werden.

Eigentlich hätte sich Russell bereits in der Justizvollzugsanstalt (JVA) im osthessischen Hünfeld einfinden sollen. Im Mai hatte er seine Ladung bekommen, binnen zwei Wochen hätte er einrücken müssen. Das Urteil vom Oktober 2010 war im März rechtskräftig geworden. Der Bundesgerichtshof hatte die Revision des Rockmusikers verworfen.

In der Silvesternacht 2009 war Russell mit seinem Audi über die Autobahn von Wiesbaden nach Frankfurt gerast. Bei einer Geschwindigkeit von 232 Kilometern pro Stunde verursachte er unter Drogeneinfluss einen heftigen Auffahrunfall und flüchtete danach über die Felder. Zwei junge Männer wurden schwer verletzt: Ein 19-Jähriger erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und hat seit dem Unfall mit Gedächtnisstörungen zu kämpfen. Sein Beifahrer verlor drei Finger, das Gesicht wurde durch Brandwunden teilweise entstellt.

bim/dpa



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