Kriegsverbrechen Ex-SS-Mann bestreitet Erschießung eines Widerstandskämpfers

Fast 70 Jahre nach dem Mord an einem niederländischen Widerstandskämpfer steht ein früherer SS-Rottenführer vor Gericht. Der heute 92-Jährige hat nun jede Mitwirkung an der Erschießung bestritten. Ein Zeuge belastete den Angeklagten jedoch.

Angeklagter Siert B. (2.v.r.): Schwierige Wahrheitsfindung nach fast 70 Jahren
DPA

Angeklagter Siert B. (2.v.r.): Schwierige Wahrheitsfindung nach fast 70 Jahren


Hagen - Der Angeklagte Siert B. hat im Hagener NS-Prozess überraschend sein Schweigen gebrochen. Der 92-Jährige bestritt, 1944 auf einen niederländischen Widerstandskämpfer geschossen zu haben. Über seinen Anwalt ließ B. erklären, allein sein inzwischen verstorbener Kollege habe auf den Mann geschossen. Zwar sei er am Tatort gewesen, ob es sich bei dem Gefangenen um den Widerstandskämpfer Klaas Aldert Dijkema handelte, habe B. jedoch in der Dunkelheit nicht erkennen können.

Bislang hatte B. zu den Vorwürfen geschwiegen, an der Ermordung des Gefangenen im Zweiten Weltkrieg zumindest beteiligt gewesen zu sein. Zum Prozessauftakt Anfang September hatte sein Anwalt noch erklärt, B. wolle sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

In Hagen muss sich der gebürtige Niederländer wegen der tödlichen Schüsse von 1944 wegen Mordes verantworten. B. war Mitglied des deutschen Grenz- und Sicherheitspolizeipostens im niederländischen Delfzijl. Nach eigener Aussage hatte er zuvor als Angehöriger der Waffen-SS die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten.

Zuvor hatte am Freitag ein ehemaliger Richter als Zeuge ausgesagt. Vor mehr als 30 Jahren hatte er B. und einen Mittäter wegen Beihilfe zur Ermordung zweier jüdischer Brüder verurteilt. Auch die Ermordung Dijkemas hatte in diesem Verfahren eine Rolle gespielt.

Die Erinnerung an Einzelheiten fiel dem 73 Jahre alten früheren Richter schwer. Er schilderte aber die Aussage des Grenzpostenchefs in der Verhandlung 1980. Der habe nach eigener Schilderung beide, also B. und den zweiten Grenzpolizisten beauftragt, den gefangenen Dijkema zu erschießen. Damit bestätigte der frühere Richter lückenhafte Tonbandprotokolle, die dem Gericht vorliegen.

max/dpa



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Jabba56 14.09.2013
1. ??
Zitat von sysopDPAFast 70 Jahre nach dem Mord an einem niederländischen Widerstandskämpfer steht ein früherer SS-Rottenführer vor Gericht. Der heute 92-Jährige hat nun jede Mitwirkung an der Erschießung bestritten. Ein Zeuge belastete den Angeklagten jedoch. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/ex-ss-mann-siert-b-bestreitet-erschiessung-eines-widerstandskaempfers-a-922202.html
Sollte ein 92jähriger wirklich noch straffähig sein? Bußfähig? Kann ein Verbrechen, so schlimm es auch ist, nach 68 Jahren geahndet werden? Wer könnte sich nach so langer Zeit noch glaubhaft an Fakten erinnern?
fritze28 14.09.2013
2. es ist egal
was der Mann sagt oder behauptet oder auch festgestellt wird. verurteilt wird er trotzdem, da die Gerichte bzw. Richter nicht mehr unabhängig urteilen.
donjeta 14.09.2013
3. Gerechtigkeit muss folgen
92 Jahre alt, heißt sein Leben gelebt zu haben, also jene Möglichkeit, welche seinem Opfer verwehrt blieb. Eine Verurteilung muss her!
delta058 14.09.2013
4.
Zitat von sysopDPAFast 70 Jahre nach dem Mord an einem niederländischen Widerstandskämpfer steht ein früherer SS-Rottenführer vor Gericht. Der heute 92-Jährige hat nun jede Mitwirkung an der Erschießung bestritten. Ein Zeuge belastete den Angeklagten jedoch. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/ex-ss-mann-siert-b-bestreitet-erschiessung-eines-widerstandskaempfers-a-922202.html
Bei einem Verfahren gegen einen Verkehrsrowdy wurde eine 70 jährige Oma kritisiert weil sie keine sekundengenaue Aussage über den Ablauf der Tat geben konnte, 2 Jahre nach der Tat. Z.B. hatte sie nur 3 Kinder auf der Straße gesehen obwohl es 5 waren, das 2 Kinder vom Auto des Täters verdeckt waren, ohne teuren Gutachter darf man so was vor Gericht nicht anmerken. Am Ende würden Richter und Staatsanwälte ja noch anfangen selber zu denken. So und jetzt will man einen Prozess nach 70 Jahren mit Zeugen führen? 70 Jahre? AUßerdem frag ich mch, wenn das Opfer ja ein Widerstandskämpfer war, dann war die Erschießung nach damaligen Recht sogar rechtens. Andererseits wann werden eigentlich mal dann die Widerstandskämpfer vor Gericht gestellt, schließlich haben auch sie sowohl nach damaligen als auch nach heutigen Recht Morde begangen.
emeticart 14.09.2013
5. Damals, ...
... hat die niederländische Armee kapituliert. Es herrschte Kriegsrecht. Die Widerstandskämpfer, waren nach Kriegsrecht, unrechtmäßige Kombattanten, die mit standrechtlicher Erschießung rechnen mussten. 70 Jahre nach der Tat, möchte "man" den Täter nach Zivilrecht aburteilen? Was ist mit den Morden der Widerstandskämpfer, die verdeckt als Zivilisten, Soldaten töteten? Sorry, ich halte solche Prozesse politisch motiviert. Normalerweise sollte doch die Justiz alle gleich behandeln- oder gibt es etwa den gerechteren Mord? MfG
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