Freiburg Facebook-Party eskaliert - Polizei sperrt Bahnstrecke

Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl und eine blockierte ICE-Verbindung - in Freiburg haben Zwillinge via Facebook zu einer Party eingeladen, die Situation geriet völlig außer Kontrolle. Mehr als 300 ungeladene Gäste grölten, pöbelten und randalierten.

Freiburg - Die Eltern waren im Urlaub, da gerieten zwei 15 Jahre alte Zwillingsbrüder in Partylaune. Sie luden über Facebook zu einer Feier nach Freiburg - aus Versehen öffentlich. So kamen laut Polizei statt der geladenen 30 bis 40 Gäste am Donnerstagabend rund 350 Menschen. Die Beamten mussten demnach mit einem Großaufgebot ausrücken, um Hunderte betrunkene Jugendliche in ihre Schranken zu weisen. Diese warfen Flaschen und Dosen auf die Straße, beschädigten Möbel im Haus der Gastgeber und Autos, brüllten herum und beleidigten Beamte, als diese die Veranstaltung auflösen wollten.

Das Ausmaß der Schäden ist noch nicht ermittelt. Da die Jugendlichen auf ihrem Heimweg auf den Gleisanlagen der ICE-Strecke nach Basel herumliefen, musste der Bahnverkehr für 25 Minuten unterbrochen werden. "Das ist 'ne Menge Arbeit, die wir jetzt wieder haben, weil irgendwer zu blöd ist, ein soziales Netzwerk zu bedienen", sagte ein Polizeisprecher.

Geprüft wird derzeit, ob die Eltern der Zwillinge ihre Aufsichtspflicht verletzt haben und wer für die Schäden und den Polizeieinsatz verantwortlich gemacht werden kann. "Das Brüderpaar, das zur Party eingeladen hatte, war mit der entstandenen Situation restlos überfordert", teilte die Polizei mit. Sie hätten sich jedoch kooperativ gezeigt und noch in der Nacht mit Aufräumarbeiten begonnen.

"Das Polizeirecht sieht keine soziale Komponente vor"

Meist bleiben die Gemeinden oder Länder auf den Kosten für solche Facebook-Partys sitzen. Das soll sich in Baden-Württemberg ändern. In Konstanz hatte ein Lehrling im Juni zu einer Party im Strandbad eingeladen. Dort standen an dem Abend 283 Beamte etwa 150 Jugendlichen gegenüber, ein Hubschrauber kreiste. Polizei und Stadt beziffern die Kosten auf insgesamt mehr als 100.000 Euro.

Doch wie viel und ob überhaupt der Lehrling wirklich zahlen muss, ist nach wie vor fraglich. Ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart betonte am Freitag mit Blick auf das geringe Einkommen des Mannes: "Das Polizeirecht sieht keine soziale Komponente vor." Milde kann der Konstanzer also nicht erwarten.

Ein Problem bei der Haftungsfrage liegt darin, dass die Online-Aufrufe oft anonym geschehen. So können etwa die Behörden in Backnang bei Stuttgart nicht wie geplant kassieren. Dort sind der Polizei Ende Juni eigenen Angaben zufolge Kosten in Höhe von 120.000 Euro entstanden. Doch die Beamten wissen nicht, von wem sie das Geld eintreiben sollen. Sie können die Spur nicht zurückverfolgen.

wit/dpa/dapd
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