Fahndungserfolg Berliner Polizei fasst zweiten Poker-Räuber

Der spektakuläre Überfall auf das Pokerturnier in Berlin ist nahezu aufgeklärt: Ein bereits gefasster Täter nannte in Vernehmungen die Namen seiner Komplizen. Ein zweiter mutmaßlicher Räuber konnte inzwischen festgenommen werden - zwei weitere Verdächtige sind noch flüchtig


Berlin - Die Polizei hat am Mittwochabend einen zweiten Tatverdächtigen des spektakulären Poker-Raubs im Berliner Luxushotel "Grand Hyatt" festgenommen. Gegen 17.15 Uhr hatte eine Zivilstreife am U-Bahnhof Rosenthaler Platz vier Personen überprüft. Einer der Kontrollierten räumte sofort ein, dass nach ihm gefahndet werde, teilte die Polizei am Abend mit und bestätigte einen Bericht der Onlineausgabe der Zeitung "B.Z.".

Laut einem Polizeisprecher sagte er sinngemäß: "Ich glaube, Ihr sucht mich", dann ließ er sich widerstandslos festnehmen. Der 20-Jährige wurde mit Haftbefehl gesucht, gleiches gilt noch für den gleichaltrigen Mustafa Ucarkus sowie den 19-jährigen Jihad Chetwie. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Sjörs Kamstra hatte ein geständiger 21-Jähriger, mutmaßlich der vierte Mann im Räuberquartett, während Vernehmungen die Namen seiner Mittäter genannt.

Der Mann hatte sich bereits am Montag gestellt. Bei ihm handelt es sich um den Täter, der während des Raubes zwischenzeitlich von einem Sicherheitsbeamten überwältigt worden war. Laut Staatsanwaltschaft hat er zunächst seine eigene Beteiligung gestanden und später nach intensiver Befragung die Namen seiner Komplizen genannt. Ob eine Kronzeugenregelung infrage komme, müsse das Gericht entscheiden. "Aber es spricht eine Menge dafür", sagte Kamstra.

Die Staatsanwaltschaft machte den hohen Fahndungsdruck für die Selbstanzeige verantwortlich: Bereits am vergangenen Freitag sei gegen den Mann Haftbefehl erlassen worden. Er sei seiner Festnahme somit nur zuvorgekommen.

In den Vernehmungen sagte er der Staatsanwaltschaft zufolge aus, dass die vier Täter das Geld unmittelbar nach der Tat aufgeteilt hätten. Seinen Teil der Beute will der Mann wohl über seinen Rechtsanwalt zurückgeben. Insgesamt waren sie mit 242.000 Euro entkommen. Einen Großteil der Beute hatte der 21-Jährige verloren, als er von dem Wachmann überwältigt wurde.

Beim Überfall wurden die Täter von mehreren Videokameras gefilmt, hinterließen Fingerabdrücke und gingen recht dilettantisch vor. Die Polizei war deshalb von einem schnellen Fahndungserfolg ausgegangen. Auf die Spur des geständigen Täters kam sie letztlich auch dank eines Zeugen. Dieser hatte laut Kriminaldirektor Stefan Teller das Autokennzeichen notiert, das direkt zu dem 21-Jährigen führte.

hut/dpa/apn/AFP

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