Bekannt aus »Serial«-Podcast Spektakuläre Wende in Kriminalfall – Mordurteil gegen Adnan Syed aufgehoben

Mehr als 20 Jahre lang saß Adnan Syed in Haft, er war wegen des Mordes an seiner Ex-Partnerin verurteilt. Nun ordnete eine Richterin seine sofortige Freilassung an – »im Interesse der Justiz und der Fairness«.
Adnan Syed verlässt am Montag als freier Mann das Gerichtsgebäude in Baltimore: Jetzt muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie ein neues Verfahren einleitet oder die Anklage fallen lässt

Adnan Syed verlässt am Montag als freier Mann das Gerichtsgebäude in Baltimore: Jetzt muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie ein neues Verfahren einleitet oder die Anklage fallen lässt

Foto:

Jerry Jackson / AP

Eine US-Richterin hat das Mordurteil gegen einen Mann aufgehoben, der mehr als 20 Jahre wegen des Vorwurfs der Ermordung seiner Ex-Freundin im Gefängnis saß. In einem Gericht in Baltimore gab Richterin Melissa Phinn einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft statt und hob das Urteil gegen den heute 41-jährigen Adnan Syed auf. Sein Fall hatte durch den erfolgreichen Podcast »Serial« weltweit Bekanntheit erlangt.

»Im Interesse der Justiz und der Fairness« ordnete Richterin Phinn die sofortige Freilassung von Syed an. Er war im Jahr 2000 wegen Mordes an seiner Ex-Freundin Hae Min Lee in Baltimore an der US-Ostküste zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zum Tatzeitpunkt war er 17 Jahre alt. Syed hatte stets seine Unschuld beteuert, zahlreiche Revisionsanträge wurden jedoch abgelehnt.

Der Staat habe »das Vertrauen in die Richtigkeit des Urteils verloren«, sagte die stellvertretende Staatsanwältin Becky Feldman am Montag vor Gericht. Es müsse sichergestellt werden, »dass wir die richtige Person zur Rechenschaft gezogen haben«. Die Ermittlungen würden fortgesetzt.

»Neue Informationen« zu zwei möglichen weiteren Verdächtigen

Vergangene Woche hatte die zuständige Staatsanwältin Marilyn Mosby überraschend erklärt, sie habe die Aufhebung des Urteils beantragt. Syed solle freikommen, während die Staatsanwaltschaft prüft, ob das Verfahren neu aufgerollt oder die Vorwürfe gegen ihn fallen gelassen werden sollen, erklärte Mosby.

Grund für ihren Schritt seien »neue Informationen« zu zwei möglichen weiteren Verdächtigen sowie »unzuverlässige Mobilfunkdaten«, sagte Mosby. Syed verdiene »einen neuen Prozess, in dem er angemessen verteidigt wird und die neuesten Beweismittel vorgelegt werden können«.

Mit der Entscheidung des Gerichts werde Syed nun aus dem Gefängnis entlassen und zunächst unter Hausarrest gestellt, berichteten US-Medien. Sein Fall war 2014 durch den Podcast »Serial« bekannt geworden, in dem der Fall beleuchtet und Syeds Schuld in Zweifel gezogen wurde. Im US-Sender HBO lief zudem eine Dokuserie unter dem Titel »The Case Against Adnan Syed«.

In dem Mordprozess hatte die Anklage Syed als »verschmähten Liebhaber« dargestellt, der seine Ex-Freundin getötet habe, nachdem sie mit ihm Schluss gemacht hatte. Laut Staatsanwältin Mosby erbrachten neue Ermittlungen jedoch Hinweise auf zwei andere mögliche Verdächtige. Zudem gebe es Zweifel an der Exaktheit von Funkzellenabfragen, mit denen Syeds Aufenthaltsort am Tag des Mordes nachgewiesen werden sollte.

aar/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.