Untersuchungsausschuss zu Fall Amri V-Mann Murat Cem sagte dreieinhalb Stunden lang aus

Der frühere V-Mann Murat Cem hat sich den Fragen der nordrhein-westfälischen Abgeordneten zum Anschlag am Berliner Breitscheidplatz gestellt. Um seine Identität zu schützen, wurde er per Video zugeschaltet - mit verzerrter Stimme.
Hinter verschlossenen Türen, per Videoschalte, mit verzerrter Stimme: Aussage des V-Manns Murat Cem im nordrhein-westfälischen Landtag

Hinter verschlossenen Türen, per Videoschalte, mit verzerrter Stimme: Aussage des V-Manns Murat Cem im nordrhein-westfälischen Landtag

Foto: Marius Becker / dpa

Der als Murat Cem bekannt gewordene frühere V-Mann im Umfeld des Terroristen Anis Amri hat bestätigt, die Behörden mehrfach vor dem Tunesier gewarnt zu haben. "Er hat sehr präzise auf Fragen geantwortet und konnte Situationen sehr genau schildern", sagte der Vorsitzende des NRW-Untersuchungsausschusses zum Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz, Jörg Geerlings (CDU), nach der nicht öffentlichen Anhörung des Polizeiinformanten.

Cem habe den Abgeordneten des Untersuchungsausschusses des nordrhein-westfälischen Landtags rund dreieinhalb Stunden lang Rede und Antwort gestanden; verfremdet und mit verzerrter Stimme. Um seine Identität geheim zu halten, wurde er per Videoübertragung von einem unbekannten Ort zugeschaltet.

Der SPIEGEL hatte bereits im März  enthüllt, dass der von den Behörden als VP01 geführte Cem die Behörden mehrfach vor Amri gewarnt hatte. Die Sicherheitsbehörden hatten daraus keine Konsequenzen gezogen. Im Mai erschien dazu das SPIEGEL-Buch "Undercover" über Cems Leben, der fast 20 Jahre lang für die Polizei Kriminelle und Terroristen ausspioniert hatte. Die Abgeordneten des Düsseldorfer Untersuchungsausschuss befragten Cem nun, indem sie ihm immer wieder auch Passagen daraus vorhielten. Cem habe die Darstellung vollständig bestätigt, hieß es später aus Kreisen des Ausschusses.

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Amri verübte 2016 einen Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, insgesamt tötete er zwölf Menschen.

Er habe gewusst, dass Amri sich mit Anschlagsplänen beschäftigt habe und habe diesem einen Anschlag auch zugetraut, sagte Cem am Montag auch dem Ausschuss. Diese habe er auch weitergegeben. Von der Art und Weise des Anschlags und dem Zeitpunkt habe er jedoch nichts gewusst. Sein Hauptaugenmerk habe auch nicht Amri gegolten, sondern Abu Walaa. Auf ihn sei er angesetzt gewesen, so Cem.

Cems Aussage vor dem Untersuchungsausschuss sollte zuvor mehrfach verhindert werden. Nordrhein-Westfalens Innenministerium hatte sich mit Verweis auf Sicherheitsbedenken gegen die Aussage Cems ausgesprochen. Dabei ging es allerdings um eine Vernehmung im Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Auch die Polizei hatte öffentliche Auftritte ihres Spitzeninformanten vor Gerichten oder Parlamenten stets verhindert. Dies sei zu gefährlich für Cem, hieß es bislang stets.

fek/jdl/dpa
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