Kindesmissbrauch Bundesweite Durchsuchungen im Fall Bergisch Gladbach

Im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach verfolgen Ermittler Spuren zu Tausenden möglichen Verdächtigen. Nun wurden die Wohnungen von 50 Tatverdächtigen durchsucht.

Die Polizei hat bundesweit Wohnungen von 50 Tatverdächtigen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach durchsucht. Es gehe um den Verdacht des Besitzes und der Verbreitung von Material, das den sexuellen Missbrauch von Kindern zeige, teilte die Kölner Staatsanwaltschaft mit .

Auf Grundlage umfangreicher Datenauswertungen der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) "Berg" habe die bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelte Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) Beschlüsse für die Durchsuchungen erwirkt, hieß es.

Laut Angaben der Polizei waren an mehreren Orten Spezialeinheiten im Einsatz. "Vier Personen wurden nach bisherigen Erkenntnissen leicht verletzt", gaben die Ermittler an. Wie genau es zu den Verletzungen kam und wer sich verletzte, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei nicht mit.

Die Einsatzmaßnahmen seien noch nicht ganz abgeschlossen, hieß es in der Mitteilung vom Nachmittag. Eine "erste Sichtung und Bewertung sichergestellter Beweismittel" sei bereits im Gange.

Festplatten per Hubschrauber transportiert

In früheren Fällen hatte die NRW-Polizei Festplatten und Akten bereits per Hubschrauber in andere Bundesländer  fliegen lassen, weil dies bei den großen Datenmengen schneller ging als über eine sichere Datenleitung.

Die entsprechende Praxis wurde jüngst im Mitarbeitermagazin der NRW-Polizei beschrieben. Sie hat zum Ziel, nicht unnötig Zeit verstreichen zu lassen, sobald der Verdacht besteht, dass ein Kind noch immer missbraucht wird.

Ermittler wollen Mittwoch informieren

Am Mittwoch wollen die Ermittler Einzelheiten zu den Razzien nennen. Die Ermittlungen rund um den Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach hatten bis Ende August bereits zu Spuren in sämtlichen Bundesländern geführt.

Mit Stand 27. August wurde allein in NRW gegen 84 Beschuldigte ermittelt, zehn Menschen waren bereits angeklagt, einer in Haft, acht in Untersuchungshaft.

Ende Juni hatte NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) mitgeteilt, dass die Ermittler im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach auf Spuren gestoßen seien, die zu potenziell mehr als 30.000 Verdächtigen führen könnten. Es gehe dabei nicht nur um die Verbreitung und den Besitz von Material, das den Missbrauch von Kindern zeige, sondern auch um schweren Kindesmissbrauch.

kko/dpa
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