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16. Januar 2009, 16:29 Uhr

Fall Dennis J.

Staatsanwalt erhöht Druck auf Zeugen

Im Fall des erschossenen Dennis J. hat die Staatsanwaltschaft den Druck auf die Kollegen des Todesschützen erhöht: Die zwei Zivilfahnder sollen von einem Richter vernommen werden. Familie und Freunde nahmen indes Abschied von dem 26-Jährigen.

Berlin/Neuruppin - Nach dem tödlichen Schuss eines Berliner Polizisten auf den Straftäter Dennis J. hat die Staatsanwaltschaft Neuruppin den Druck auf die beiden wichtigsten Zeugen erhöht: Sie ordnete eine Vernehmung der beiden Kollegen des Todesschützen Reinhard R. durch einen Richter an. Die beiden Polizisten sollten so zu einer "wahrheitsgemäßen" Aussage gebracht werden, sagte Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper am Freitag. "Wir wollen uns nicht damit abfinden, dass sie nichts gesehen und gehört haben wollen."

Einen Zeitpunkt für die geplante Vernehmung nannte Lodenkämper nicht. Die Aussagen bei einer richterlichen Vernehmung können im Falle eines Prozesses vor Gericht verwertet werden.

Der mit Haftbefehl gesuchte, unbewaffnete Dennis J. war am Silvesterabend in Brandenburg von dem Berliner Polizisten Reinhard R. aus nächster Nähe erschossen worden, als er festgenommen werden sollte. Gegen den 34 Jahre alten Berliner Kommissar wird wegen Verdachts auf Totschlag ermittelt.

Nach Ansicht von Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch könnte eine Fehlreaktion der eingesetzten Beamten die Ursache für die tödlichen Schüsse in Schönfließ sein. Auch die am besten trainierten Mitarbeiter können in Situationen geraten, in denen sie falsch reagieren", sagte Glietsch der "B.Z."

Die beiden Polizisten sagten bisher, sie hätten wegen der Silvesterböller die Schüsse nicht gehört. Anwohner hingegen wollen von lauten Feuerwerkskörpern zu dieser Zeit - gegen 18 Uhr - nichts mitbekommen haben. Aus Justizkreisen hieß es, die Männer wollten offenbar ihren beschuldigten Kollegen nicht in Bedrängnis bringen.

"Wir alle haben ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren"

Unterdessen wurde das Opfer am Freitag in Berlin-Neukölln beerdigt. Bei der Trauerfeier appellierte ein Redner, Gewalt, wie sie Dennis widerfahren sei, "nicht mit Gewalt zu vergelten". Mit Blick auf die kriminelle Karriere des 26-Jährigen sagte der Redner: "Natürlich hat er manchmal Grenzen überschritten." Aber Dennis sei "eben ein Junge aus Neukölln" gewesen und habe dieses Ende nicht verdient.

Anschließend protestierten bei einem Trauermarsch vom Friedhof zum Polizeipräsidium in Tempelhof rund 200 Menschen gegen den tödlichen Polizeieinsatz. Der Schwager des Getöteten sagte in einer kurzen Rede bei einer Abschlusskundgebung: "Wir alle haben ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren."

jjc/ddp/dpa

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