Angeklagter im Fall Diren "Alle sollten sich freuen, dass unsere Gegend jetzt sicherer ist"

Im Prozess um den Tod des deutschen Austauschschülers Diren Dede sind Mitschnitte eines Telefonats abgespielt worden, die der Angeklagte aus der Haft heraus mit seiner Freundin führte. Darin macht er offenbar widersprüchliche Angaben zur Tat.

REUTERS

Missoula - Für den Hausbesitzer Markus Kaarma aus dem US-Bundesstaat Montana war der Tod des Hamburger Austauschschülers Diren Dede ein Grund zur Freude. "Vergiss nicht, dass der Junge dabei war, eine Straftat in unserem Haus zu begehen", sagte der Angeklagte nach den tödlichen Schüssen zu seiner Lebensgefährtin - das geht aus dem Mitschnitt eines Telefonats hervor, der beim Prozess in Missoula den Geschworenen vorgespielt wurden.

"Alle sollten sich freuen, dass unsere Gegend jetzt sicherer ist - verdammte Idioten!", sagt Kaarma auf der Aufnahme, von der unter anderem die Zeitung "Missoulian" berichtet. Das Telefonat hatte er aus der Untersuchungshaft heraus mit seiner Lebensgefährtin Janelle Pflager geführt, dabei war er abgehört worden.

Entstanden ist während des stundenlangen Gesprächs eine ganze Serie von Mitschnitten. Darin macht der 30-Jährige widersprüchliche Angaben zum Ablauf der Tat in der Nacht zum 27. April. An einer Stelle sagt Kaarma, er habe nichts sehen können und gefürchtet, der Eindringling in seiner Garage werde ihn wie ein Bulle aus dem Dunkeln heraus anspringen. Später sagt er, er habe durchaus etwas gesehen. "Ich dachte, er hat was in der Hand. Ich fühlte mich echt bedroht. Ich geriet in Panik."

Angeklagter nennt Vorwürfe "unglaublich"

Kaarma nennt es am Telefon "unglaublich", dass er der vorsätzlichen Tötung beschuldigt wird und lebenslänglich hinter Gitter kommen könnte. Er kündigt an, sich auf die sogenannte Castle-Doktrin zu berufen. In Montana und vielen anderen US-Bundesstaaten dürfen Hausbesitzer tödliche Gewalt anwenden, sofern nachvollziehbar ist, dass sie um Leib und Leben fürchteten.

Vor Gericht sagte am Donnerstag auch Guy Baker aus, der leitende Ermittler in dem Fall. Ihm zufolge richtete Kaarma seine Waffe absichtlich neu aus, um Diren tödlich zu treffen. So habe der Angeklagte bei den ersten drei Schüssen eher nach unten gezielt, während er beim vierten, tödlichen Treffer das Gewehr deutlich höher hielt.

Baker berief sich dabei auf Spuren am Tatort. "Sie deuten für mich darauf hin, dass Diren irgendwann aufrecht vor Kaarma stand und dabei in den Kopf geschossen wurde."

Kaarma hatte Diren Dede am 27. April getötet, nachdem der 17-jährige Hamburger in seine Garage eingedrungen war - offenbar als Mutprobe. Der Prozess vor dem Bezirksgericht von Missoula läuft voraussichtlich noch bis 19. Dezember. Das Urteil wird erst 2015 erwartet.

rls/AP/AFP/dpa



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