Schlussplädoyers im Diren-Prozess Staatsanwältin wirft dem Angeklagten Rachemotiv vor

Im Prozess um den in Montana getöteten deutschen Austauschschüler Diren Dede haben die Geschworenen noch kein Urteil finden können. In ihrem Schlussplädoyer warf die Staatsanwältin dem Angeklagten vor, den Teenager "hingerichtet" zu haben.

Angeklagter Kaarma im Gericht von Missoula (Archiv): Unterstützung von Freundin und Baby
AP/dpa

Angeklagter Kaarma im Gericht von Missoula (Archiv): Unterstützung von Freundin und Baby


Missoula - Knapp acht Monate nach den tödlichen Schüssen auf den deutschen Austauschschüler Diren Dede aus Hamburg-Altona geht der Gerichtsprozess im US-Bundesstaat Montana dem Ende zu. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hielten am Dienstag in der Stadt Missoula ihre Abschlussplädoyers, danach zogen sich die zwölf Geschworenen zur Beratung zurück. Doch auch nach fünf Stunden waren sie noch zu keinem Urteil gelangt. Die weiteren Beratungen wurden nun auf Mittwoch vertagt. Sollten sich die Geschworenen nicht einigen können, kann ein neuer Prozess anberaumt werden.

Der Angeklagte Markus Kaarma hatte den 17-jährigen Diren am 27. April erschossen, nachdem dieser nachts in Kaarmas Garage eingedrungen war.

"Diren wurde gewaltsam hingerichtet", sagte Staatsanwältin Karla Painter in ihrem Plädoyer. Der Angeklagte habe ein "unbewaffnetes Kind" vorsätzlich erschossen. Als Motiv warf sie Kaarma Rache vor. Er habe nach den Einbrüchen vor der Tatnacht angekündigt, jeden weiteren Eindringling auf seinem Grundstück zu schädigen.

Als Beweis für die vorsätzliche Tat nannte die Staatsanwältin Widersprüche im Geständnis des Angeklagten. Zudem habe der 30-Jährige dem Jungen in der Garage aufgelauert und sogar ein Foto von ihm gemacht. Abschließend bat Painter die Geschworenen um einen Schuldspruch.

Kaarmas Verteidiger Paul Ryan hingegen sagte, dass Diren "nichts Gutes im Schilde geführt" habe, als er in die Garage des Angeklagten eindrang. Kaarma habe nach den vorherigen Einbrüchen um das Leben seines zehn Monate alten Babys gefürchtet und aus Notwehr gehandelt. Ryan bezog sich in seinem Schlussplädoyer nochmals auf die "Castle-Doktrin" (Schloss-Doktrin), die im Staat Montana den Schutz des eigenen Hauses rechtfertigt - im Notfall auch mit tödlicher Gewalt.

Direns Eltern warten nun auf das Urteil. Sie reisten für den Prozess aus Hamburg an und verfolgten die Plädoyers mithilfe eines Dolmetschers. Wenn Kaarma schuldig gesprochen wird, droht ihm eine Haftstrafe von mindestens zehn Jahren.

kry/vet/dpa/AFP



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