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16. August 2011, 16:26 Uhr

Fall Fluterschen

Gericht verurteilt zweiten Freier zu Haftstrafe

Er bezahlte Detlef S. für Sex mit dessen leiblicher Tochter und missbrauchte das Mädchen: Das Landgericht Koblenz hat einen 64-Jährigen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Mann ist der zweite Freier, der im Missbrauchsfall von Fluterschen ins Gefängnis muss.

Koblenz - Die Prozessserie um die Missbrauchsfälle im Westerwalddorf Fluterschen ist zu Ende. Am Dienstag verurteilte das Landgericht Koblenz einen 64-Jährigen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Der Mann hatte über seine Anwältin zugegeben, 2009 eine damals 16-jährige Tochter des bereits verurteilten Detlef S. viermal sexuell missbraucht zu haben. Er war einer der drei Männer, an die Detlef S. seine beiden Töchter für Sex verkaufte.

Detlef S. war im März zu vierzehneinhalb Jahren Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Er hatte gestanden, seine inzwischen erwachsene Tochter, eine Stieftochter und deren Zwillingsbruder hundertfach missbraucht zu haben.

Bereits im Mai hatte das Gericht einen 61-jährigen Feier wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Minderjährigen in 53 Fällen zu neun Jahren Haft verurteilt. Der dritte Freier lebt nicht mehr.

Der Prozess gegen den 64-Jährigen war am Dienstag kurz nach Beginn unterbrochen worden. Seine Anwältin stellte einen Befangenheitsantrag gegen den Richter am Landgericht Koblenz. Er sei voreingenommen, weil er bereits den Hauptprozess gegen Detlef S. geleitet habe, lautete die Begründung der Verteidigung. Der Richter habe sich ein "festes Bild" über den Angeklagten gemacht. Die gesetzlich vorgeschriebene Unschuldsvermutung gelte nicht mehr. Die Staatsanwaltschaft beantragte, diesen Antrag abzulehnen, dem wurde auch stattgegeben.

Die Frau von Detlef S. hatte in dem Verfahren gegen den 61-Jährigen ausgesagt, sie selbst habe von 1984 bis in die neunziger Jahre auf seinen Wunsch hin Sex mit anderen Männern gehabt. Ob ihr Mann dafür Geld kassierte, könne sie nicht sagen. Im Prozess gegen Detlef S. hatte die Frau noch die Aussage verweigert.

ulz/bim/dapd

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