Gestorbener US-Unternehmer Französische Regierungsmitglieder fordern eigene Ermittlungen im Fall Epstein

"Damit die Angelegenheit vollständig aufgeklärt wird": Zwei französische Kabinettsmitglieder wollen im Missbrauchsfall Jeffrey Epstein Querverbindungen nach Frankreich untersuchen lassen.

Jeffrey Epstein (Archiv)
US ATTORNEY SDNY/HANDOUT/EPA-EFE/REX

Jeffrey Epstein (Archiv)


Mitglieder der französischen Regierung haben im Fall des US-Unternehmers Jeffrey Epstein eine Untersuchung in Frankreich gefordert. "Die US-Untersuchung hat Verbindungen zu Frankreich ans Licht gebracht", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der für Gleichstellung zuständigen Staatssekretärin Marlène Schiappa und des Staatssekretärs für den Schutz von Kindern, Adrien Taquet.

"Für die Opfer erscheint es uns daher von grundlegender Bedeutung, in Frankreich eine Untersuchung einzuleiten, damit die Angelegenheit vollständig aufgeklärt wird." Unklar blieb, welche konkreten Verbindungen Schiappa und Taquet meinten.

Epstein wurde von der Staatsanwaltschaft in New York vorgeworfen, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Der Geschäftsmann habe zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut, hieß es in der Anklageschrift.

Er wurde bereits 2008 verurteilt. Epstein bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben. Er verbrachte 13 Monate im Privatflügel eines Bezirksgefängnisses, wo er sechs Tage pro Woche Freigang genoss. Ein Verfahren vor einem Bundesgericht blieb ihm erspart. Dem Deal hatte der damalige Staatsanwalt in Florida, Alexander Acosta, zugestimmt. Nach den neuen Vorwürfen gegen Epstein war dieser daraufhin von seinem aktuellen Amt als US-Arbeitsminister zurückgetreten.

Der 66-Jährige Epstein wurde am 6. Juli bei der Rückkehr von einer Frankreich-Reise in den USA festgenommen. Mehrere seiner Opfer gaben an, dass Epstein auch Freunde und Bekannte mit jungen Frauen versorgte. Er beging am Wochenende in einem New Yorker Gefängnis offenbar Suizid. Epstein wurde dort von Mitarbeitern der Haftanstalt gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Dort wurde er schließlich für tot erklärt. (Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen)

Frankreichs Gleichstellungs-Staatssekretärin Marlène Schiappa (Archiv)
AFP

Frankreichs Gleichstellungs-Staatssekretärin Marlène Schiappa (Archiv)

Die französischen Staatssekretäre betonten nun, dass der Tod Epsteins nicht dazu führen dürfe, dass seine Opfer keine Gerechtigkeit erführen. Die französische Kinderschutzorganisation Innocence en danger wies in einem Schreiben an die Pariser Staatsanwaltschaft darauf hin, dass bei den Ermittlungen der US-Bundespolizei FBI zur Epstein-Affäre auch belastendes Material gegen "Personen mit französischer Staatsangehörigkeit" zutage gefördert worden sei.

Zudem gebe es glaubwürdige Hinweise darauf, dass "mehrere Opfer des Prostitutionsnetzwerks" von Epstein und "seiner Komplizen" französische Staatsangehörige seien, fügte die Organisation hinzu. Es liege nun in der Verantwortung der französischen Staatsanwaltschaft, Ermittlungen einzuleiten.

wit/dpa/AFP



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