Fall Jeffrey Epstein Maxwell soll "entscheidende Rolle" bei Machenschaften gespielt haben

Das FBI hat Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell festgenommen. Die Strafverfolger beschreiben in der Anklageschrift, mit welch perfidem System sie Minderjährige zu sexuellen Handlungen getrieben haben soll.
Bild von Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell bei der Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft

Bild von Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell bei der Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft

Foto: John Minchillo/ dpa

Nach der Festnahme von Ghislaine Maxwell, einer engen Vertrauten von Jeffrey Epstein, hat die zuständige New Yorker Staatsanwaltschaft Details zu den Vorwürfen gegen Maxwell bekannt gegeben. Der 58-Jährigen wird vorgeworfen, dem US-Multimillionär bei dem Missbrauch minderjähriger Mädchen geholfen und sogar selbst daran teilgenommen zu haben.

Epstein war vorgeworfen worden, Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben. Der US-Unternehmer hatte sich im vergangenen Sommer in einer New Yorker Gefängniszelle das Leben genommen. Viele Frauen, die Epstein Sexualverbrechen vorwerfen, werfen Maxwell eine Mittäterschaft vor.

Die Vorwürfe gegen Maxwell bezögen sich auf die Jahre 1994 bis 1997, sagte die New Yorker Staatsanwältin Audrey Strauss bei einer Pressekonferenz. Maxwell habe zu Epsteins "engsten Verbündeten" gehört und eine "entscheidende Rolle" bei seinen Machenschaften gespielt.

Der Missbrauch habe hauptsächlich in Epsteins Anwesen in New York, Palm Beach und Santa Fe sowie in Maxwells Wohnsitz in London stattgefunden. Maxwell, Tochter des britischen Verlegers Robert Maxwell, soll Geschäftspartnerin und eine Zeit lang auch Freundin von Epstein gewesen sein.

Kino und Shoppingtouren für spätere mutmaßliche Opfer

In der Anklageschrift, die dem SPIEGEL vorliegt, heißt es nun, Maxwell habe versucht, sich mit Frauen und jungen Mädchen von teilweise nur 14 Jahren anzufreunden, und sie dann zu sexuellen Aktivitäten mit Epstein zu drängen. So habe Maxwell einige Mädchen nach ihrem Leben, ihren Erfahrungen in der Schule und ihren Familien gefragt. Epstein und Maxwell hätten Minderjährige ins Kino oder zum Einkaufen ausgeführt.

Maxwell habe versucht, den sexuellen Missbrauch zu normalisieren, indem sie mit den Mädchen unter anderem über Sex gesprochen oder sich vor ihnen ausgezogen habe oder bei Missbrauchshandlungen Epsteins dabei gewesen sei. An einigen soll sie aktiv teilgenommen haben. So soll sie Mädchen ermutigt haben, Epstein sexuelle Massagen anzubieten.

Sie habe Mädchen auch ermuntert, Epsteins gelegentliche Angebote, für Reise- oder Ausbildungskosten aufzukommen, anzunehmen. Maxwell habe Epsteins Begegnungen mit den minderjährigen Mädchen gefördert, in dem Wissen, dass er mit ihnen Sex haben wollte.

Spekulationen über ihren Aufenthaltsort

Formal wurden sechs Anklagepunkte gegen Maxwell erhoben. Dabei geht es um "Verführung" Minderjähriger zu Reisen für "illegale sexuelle Aktivitäten" und den Transport Minderjähriger für eine "kriminelle sexuelle Handlung". Die Staatsanwaltschaft wirft Maxwell zudem vor, 2016 zwei Mal unter Eid gelogen zu haben. Bei einer Verurteilung droht Maxwell der Nachrichtenagentur AFP zufolge lebenslange Haft.

Maxwell hatte bislang jedes Wissen über Epsteins Machenschaften und jede Beteiligung daran zurückgewiesen. Über ihren Aufenthaltsort seit dem weltweiten Bekanntwerden des Skandals im vergangenen Sommer hatte es viele Spekulationen gegeben, nun wurde sie in Bradford im nordöstlichen US-Bundesstaat New Hampshire festgenommen. Sie soll noch am Donnerstag vor einem Richter erscheinen.

Staatsanwältin fordert Prinz Andrew zu Aussage auf

Auch der britische Prinz Andrew, der jahrelang mit Epstein und Maxwell befreundet war, soll in den Fall verwickelt sein. Die US-Amerikanerin Virginia Giuffre wirft dem Herzog von York vor, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Auch dabei soll Maxwell eine Rolle gespielt haben. Sie hatte die beiden Männer erst miteinander bekannt gemacht.

Giuffre wirft Andrew vor, sie im Haus Maxwells im Jahr 2001 missbraucht zu haben. Ein Foto, auf dem die drei in dem Haus zu sehen sind, will der Royal nicht wiedererkennen. (Lesen Sie hier mehr: Prinz Andrew und die Epstein-Affäre - Anatomie eines Interviewdesasters.)

Andrew hat die Vorwürfe bislang strikt zurückgewiesen, vor der New Yorker Staatsanwaltschaft aber auch noch nicht ausgesagt. "Wir würden es weiter sehr gern sehen, wenn er zu uns käme und mit uns sprechen würde", sagte Staatsanwältin Strauss bei der Pressekonferenz. "Unsere Türen bleiben offen."

Andrew zeigte sich davon am Donnerstag überrascht. Das Team des Herzogs von York sei "verblüfft, angesichts dessen, dass wir zwei Mal mit der US-Justiz im vergangenen Monat kommuniziert haben", hieß es aus seinem Umfeld. Bisher habe man keine Antwort erhalten.

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kko/fek/dpa/AFP
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