Fall Josef F. Zeitungen berichten von Vorstrafe wegen Sexualdelikt

Weiterer ungeheuerlicher Verdacht im Missbrauchsfall von Amstetten: Nach Zeitungsberichten ist der Täter Josef F. wegen eines Sexualdelikts vorbestraft gewesen. Stimmt dies, müssen sich die österreichischen Behörden gegen neue Vorwürfe wehren.


Amstetten/London - Jahrzehntelang konnte Josef F., 73, weitestgehend unbehelligt ein Doppelleben führen: Für die Öffentlichkeit war er ein "netter Nachbar" und braver Familienvater - im Geheimen missbrauchte er 30 Jahre lang seine Tochter, zeugte sieben Kinder mit ihr, hielt die Tochter und dann auch drei ihrer Kinder 24 Jahre lang in einem Kellerverlies.

Niemand merkte etwas - doch wenn sich bewahrheiten sollte, was einige Zeitungen nun behaupten, geraten Polizei und Behörden in dem Fall wegen eventueller Versäumnisse weiter unter Druck.

Die Londoner "Times" und die Wiener "Presse" berichten, Josef F. sei wegen eines Sexualdelikts vorbestraft gewesen.

Die "Times" zitiert die Sprecherin einer Firma, bei der F. "während der siebziger Jahre" als Elektroingenieur angestellt gewesen sein soll: "Er hat einen ausgezeichneten Job gemacht, aber irgendwas hatte er an sich, das einem Unbehagen verursachte", sagte die nicht namentlich genannte Frau. "Alle wussten, dass er im Gefängnis gewesen war wegen einer Sexualstraftat."

Das Blatt gibt außerdem an, dass sich im 23.000-Einwohner-Ort Amstetten "mehrere Nachbarn" fänden, die bestätigten, dass F. eine Vergangenheit als "Sexualstraftäter" hatte.

"Ich war damals zehn Jahre alt", zitiert die "Times" einen 50-jährigen Passanten, "aber ich erinnere mich noch genau daran, dass wir Angst hatten, in der Nähe des F.'schen Hauses zu spielen. Eben weil es Gerüchte gab, dass er eine Frau vergewaltigt hatte und deswegen im Gefängnis gesessen hatte."

Die österreichische "Presse" berichtet, Josef F. solle in den sechziger Jahren versucht haben, eine Frau in Linz zu vergewaltigen. Die Vorstrafe wegen dieses Sexualdeliktes sei inzwischen aus den behördlichen Unterlagen getilgt.

Josef F., so die Darstellung der "Presse", erhielt 1969 eine Anstellung bei einem Baustoffhandel, der ihn trotz der Vorstrafe einstellte: "Mir war das nicht recht", sagte die Schwägerin des damaligen Betriebschefs der "Presse". Sie habe ihre Kinder mehrmals vor Josef F. gewarnt.

F. habe sich in den folgenden Jahren zu einem der "Leistungsträger" in dem Betrieb entwickelt.

Sollte es sich bei Josef F. tatsächlich um einen vorbestraften Sexualstraftäter handeln - warum stand diese Information den Ermittlern dann nicht zur Verfügung, als F.'s Tochter Elisabeth in den achtziger Jahren zweimal von zu Hause weglief, später ganz verschwand?

"Ich kann das weder bestätigen noch dementieren", sagte der Chef des niederösterreichischen Landeskriminalamtes (LKA), Franz Polzer, SPIEGEL ONLINE zu den Spekulationen um eine mögliche Vorstrafe.

Polzer bestätigte jedoch die Praxis, eine Vorstrafe nach Verstreichen "eines bestimmenten Zeitpunktes" zu tilgen. "Wenn eine solche Strafe abgebüßt ist , ist sie abgebüßt", so Polzer. "Ich mache mich strafbar, wenn ich dazu weitere Angaben mache." Übrigens eine gängige Praxis auch in Deutschland: Wenn eine Vorstrafe aus dem Bundeszentralregister gelöscht ist, ist sie gelöscht.

Josef F. wird nach seinem vollen Geständnis im Inzest-Fall von Amstetten nun einem Untersuchungsrichter vorgeführt. Er war bereits am Montag aus der niederösterreichischen Bezirksstadt in die Landeshauptstadt St. Pölten gebracht worden.

Nach seinem Geständnis gilt als sicher, dass der Richter Untersuchungshaft anordnet.

pad/taf

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