Fall Kardelen Mutmaßlicher Mörder soll gefasst sein

Verwirrung im Fall der getöteten Kardelen: Der mutmaßliche Mörder des achtjährigen Mädchens soll nach Berichten der Fernsehsender n-tv, N24 und der türkischen Zeitung "Hürriyet" in der Türkei gefasst worden sein - die deutschen Ermittlungsbehörden konnten die Festnahme zunächst nicht bestätigen.


Hamburg - Der Mörder der achtjährigen Kardelen aus Paderborn ist nach Informationen der Tageszeitung "Hürriyet" und der Fernsehsender n-tv und N24 gefasst. Der 29-jährige Ali K. sei in der Osttürkei festgenommen worden.

In Deutschland konnten am Vormittag zunächst weder Polizei noch Staatsanwaltschaft eine Festnahme bestätigen. "Wir haben vom Bundeskriminalamt noch keine Informationen über eine Festnahme erhalten", sagte ein Sprecher der Polizei Paderborn SPIEGEL ONLINE.

Auch beim Bundeskriminalamt (BKA) wusste man am Mittag nur aus den Fernsehberichten von der angeblichen Festnahme. "Wenn eine Festnahme erfolgt wäre, müssten sich die türkischen Behörden bei uns melden und uns informieren. Das ist bislang noch nicht passiert", sagt ein BKA-Sprecher SPIEGEL ONLINE. "Derzeit stehen wir noch auf dem Schlauch."

Ali K. soll Kardelen Mitte Januar missbraucht und getötet haben. Kardelen war am 12. Januar zuletzt lebend in Paderborn gesehen worden. Drei Tage später wurde ihre Leiche am knapp 60 Kilometer entfernten Möhnesee gefunden.

Treffen von Angehörigen des Opfers und dem Täter

Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen ein Treffen von Angehörigen des Mädchens und der Familie des mutmaßlichen Täters organisiert. Zum Hintergrund und Verlauf des Gesprächs wollte sich ein Polizeisprecher nicht äußern.

Zeitungsberichten zufolge soll der Hintergrund des Treffens die Befürchtung gewesen sein, der Verdächtige Ali K. könne einem sogenannten Ehrenmord zum Opfer fallen. "Leider können wir diese Möglichkeit nicht ausschließen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Alle waren vernünftig, wollen die Tat nicht auf die Angehörigen übertragen."

Die Mutter des Mädchens erlitt der "Bild" zufolge bei dem Treffen einen Zusammenbruch.

Verfahren in der Türkei wahrscheinlich

Ali K. soll nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft in der Türkei vor Gericht gestellt werden. Die dortigen Behörden hätten bereits gegenüber der Staatsanwaltschaft Paderborn erklärt, selbst das Verfahren gegen den Verdächtigen führen zu wollen. Dazu sei den türkischen Kollegen sämtliche Unterstützung zugesagt worden, so die Staatsanwaltschaft.

Als türkischer Staatsbürger habe Ali K. keinen Rechtsanspruch auf eine Auslieferung nach Deutschland. Das Bundeskriminalamt stehe über einen in der Türkei stationierten Beamten in Kontakt mit den dortigen Polizeibehörden. Der Mord an der Achtjährigen hat auch in der Türkei für viel Aufsehen und Empörung gesorgt.

Die Mordkommission hatte am Mittwoch, rund drei Wochen nach dem Sexualmord an der Achtjährigen, mitgeteilt, dass sie den 29-jährigen Nachbarn der Familie Kardelens als mutmaßlichen Täter ermittelt habe. Er werde unter anderem durch sichergestellte DNA-Spuren belastet.

Aufgrund von solchen Hinweisen steht inzwischen auch fest, dass das Mädchen in der Wohnung des Mannes missbraucht und ermordet wurde. Aufgrund der bisherigen Ermittlungserfolge wurde die zuständige Mordkommission auf 42 Beamtinnen und Beamte reduziert.

Noch unklar ist indes, wie der Mann das Opfer von Paderborn an den Möhnesee gebracht hat. Der 29-Jährige besitzt weder einen Führerschein noch einen eigenen Wagen. Allerdings war er den Ermittlungen zufolge vor der Tat zumindest zeitweise mit verschiedenen Fahrzeugen in Paderborn unterwegs.

Deshalb schließt die Mordkommission nicht aus, dass sich Ali K. für die Fahrt mit dem Opfer ein Auto geliehen hat. Die Beamten gehen davon aus, dieses Fahrzeug ermitteln zu können. Sie appellierten am Donnerstag an den Besitzer, sich freiwillig zu melden.

Inzwischen gelang es der Polizei zudem, zwei Männer zu ermitteln, die den Gesuchten und seine Ehefrau am 13. Januar, vermutlich einen Tag nach der Tat, zum Flughafen Köln-Bonn gebracht haben. Offenbar wussten die beiden Zeugen nichts von dem Verbrechen, bei der Fahrt soll es sich um einen reinen Freundschaftsdienst gehandelt haben.

han/AP/dpa

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