Fall Kevin Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Sozialarbeiter

Der Tod des kleinen Kevin aus Bremen hat für die beteiligten Sozialarbeiter ein Nachspiel vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen gegen einen Sachbearbeiter und den Amtsvormund erhoben. Der Ziehvater hatte Kevin misshandelt.

Bremen - Wann der Prozess gegen den 56 Jahre alten Sachbearbeiter und den 65 Jahre alten Amtsvormund vor dem Landgericht beginnt, konnte ein Behördensprecher heute nicht sagen. Seit Ende Oktober muss sich der Ziehvater des Zweijährigen wegen Mordes vor Gericht verantworten. Kevin, der unter der Vormundschaft des Jugendamtes stand, war im Oktober 2006 schwer misshandelt und tot in einem Kühlschrank gefunden worden.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hat der zuständige Sachbearbeiter spätestens seit August 2004 gewusst, dass die damals noch lebende Mutter und ihr Lebensfährte drogenabhängig und mit der Betreuung des Kindes überfordert waren. Auch sei er damals schon von Ärzten mehrfach darauf hingewiesen worden, dass Kevin schwerste Verletzungen durch massive Misshandlungen erlitten hatte, hieß es in einer Mitteilung der Behörde.

Auch der im November 2005 als Amtsvormund bestellte Kollege hätte durch ihm bekanntgewordene Alarmzeichen genügend Anlass gehabt, an der Sicherheit des Kindes zu zweifeln. Er hätte eigene Nachforschungen anstellen müssen, darauf habe er pflichtwidrig verzichtet.

Zum Tod des Kindes habe es nur kommen können, weil die Angeschuldigten es sorgfaltspflichtwidrig versäumt hätten, rechtzeitig für eine räumliche Trennung vom Ziehvater zu sorgen, schrieb die Staatsanwaltschaft weiter. Die Notwendigkeit "drängte sich aufgrund einer Vielzahl schwerwiegender Alarmzeichen auf, was für die Angeschuldigten aufgrund ihrer Ausbildung und langjährigen Berufserfahrung auch erkennbar war".

ffr/dpa