Zur Ausgabe
Artikel 11 / 66
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Deutsche Ermittlungsfehler im Fall Maddie So erfuhr Christian B., dass die Polizei ihn im Blick hatte

Fahnder waren dem mutmaßlichen Mörder von Madeleine McCann seit Jahren auf der Spur. Dabei machten sie einen Fehler.
aus DER SPIEGEL 25/2020
Grundstück von Christian B. in Sachsen-Anhalt: "Etwas Kleines" entführen

Grundstück von Christian B. in Sachsen-Anhalt: "Etwas Kleines" entführen

Im Fall der vermissten Madeleine McCann ist der Polizei in Braunschweig bereits im Jahr 2013 eine Panne unterlaufen. Das geht aus internen Unterlagen deutscher Behörden hervor, die SPIEGEL und SPIEGEL TV auswerten konnten. So wurde der heutige Tatverdächtige Christian B. in einem Schreiben der Ermittler zu früh darüber in Kenntnis gesetzt, dass diese ihn mit dem Fall McCann in Verbindung brachten.

Nach dem Eingang eines vertraulichen Hinweises auf Christian B. im Oktober 2013 hatte das Bundeskriminalamt (BKA) die Kripo in Braunschweig um Informationen zu B. gebeten, der zu diesem Zeitpunkt dort lebte. Die Niedersachsen schauten im Computer nach und sahen, dass Christian B. als Sexualstraftäter bekannt war. Fast zeitgleich schickte ein Beamter der Braunschweiger Polizei auch eine Vorladung als Zeuge an B., die SPIEGEL TV exklusiv vorliegt. Betreff des Schreibens: "Vermisstensache Madeleine McCann". Christian B. hätte nach dem Erhalt des Schreibens reichlich Zeit gehabt, eventuelle Spuren zu beseitigen.

Experten halten das Vorgehen der Polizei für einen schwerwiegenden Fehler. Es sei üblich, erst einmal Informationen im Umfeld zu sammeln und nicht frontal auf einen Verdächtigen loszustürmen.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte:

Auf einmal war der Fall Madeleine ganz nah. Mehr als sechs Jahre lag es zurück, dass das Kleinkind in Portugal verschwunden war. Da bekam Christian B. am 4. November 2013 einen Brief von der Polizei, nur ein Blatt Papier, "Vorladung als Zeuge", stand ganz oben. B. solle sich bitte zur "Vernehmung" in der Polizeiinspektion Braunschweig einfinden, Fachkommissariat 1, Zimmer-Nr. H-118. Der Grund: "Vermisstensache Madeleine McCann (Tatort Portugal). Personenüberprüfung des Christian B."

B. folgte wohl damals der Vorladung, die heute SPIEGEL TV exklusiv vorliegt. Er war höchst alarmiert. Er wusste nun, dass die deutsche Polizei ihn im Fall Madeleine McCann im Visier hatte. Im Kiosk, den B. damals in Braunschweig betrieb, erzählte er Bekannten davon. "Jetzt soll ich Maddie umgebracht haben, nur weil ich in Portugal war", habe ihm B. gesagt, so ein Bekannter aus dem Kiosk heute. Aufgelöst habe B. gewirkt. Ein anderer erinnert sich, dass B. ihm sogar die Vorladung der Polizei zeigte.

Jetzt weiterlesen mit SPIEGEL+

Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden SPIEGEL-Abo.

Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen – von Reportern aus aller Welt. Jetzt testen.

  • Alle Artikel auf SPIEGEL.de frei zugänglich.

  • DER SPIEGEL als E-Paper und in der App.

  • Einen Monat für 1,- € testen.

Einen Monat für 1,- €
Jetzt für 1,- € testen

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement? Hier anmelden

Weiterlesen mit SPIEGEL+

Mehr Perspektiven, mehr verstehen.

Freier Zugang zu allen Artikeln, Videos, Audioinhalten und Podcasts

  • Alle Artikel auf SPIEGEL.de frei zugänglich

  • DER SPIEGEL als E-Paper und in der App

  • DER SPIEGEL zum Anhören und der werktägliche Podcast SPIEGEL Daily

  • Nur € 19,99 pro Monat, jederzeit kündbar

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

SPIEGEL+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 19,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um SPIEGEL+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem SPIEGEL-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung.

Zur Ausgabe
Artikel 11 / 66
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel