Fall Maddie Sicherheitsvideo einer belgischen Bank soll Vermisste zeigen

Neue Spuren in Belgien: Der Wachmann einer Bank in Brüssel glaubt, das seit mehr als einem Jahr vermisste britische Mädchen Maddie gesehen zu haben. Jetzt wertet die Polizei ein Überwachungsvideo aus.


London/Brüssel - Nach vagen Andeutungen einer möglichen Spur nach Belgien im Fall Maddie sind bei der Polizei zahlreiche neue Hinweise von Menschen eingegangen, die das vermisste britische Mädchen gesehen haben wollen. So werten Ermittler Überwachungsbilder einer Videokamera von einer Bank in Brüssel aus, auf denen ein Wachmann Madeleine McCann am vergangenen Montag erkannt haben will. Der Mann habe ein blondes, Englisch sprechendes Mädchen von fünf oder sechs Jahren in Begleitung einer Frau gesehen, sagte Polizeisprecher John Berckmans der belgischen Nachrichtenagentur Belga.

"Das Labor der Kriminalpolizei untersucht die Bilder jetzt und schaut, ob die Qualität ausreichend ist", sagte der Sprecher. Die Bilder wurden am Montag in einer Bankfiliale im Brüsseler Stadtteil Molenbeek aufgenommen. Der Wachmann habe auf Nummer sicher gehen wollen und deshalb die Polizei benachrichtigt. "Wir behandeln dies wie andere Anzeigen oder Tipps auch", sagte der Polizeisprecher. Im Sommer 2007 hatte sich das angebliche Auftauchen des Mädchens in einem Café der belgischen Stadt Tongeren als Irrtum herausgestellt.

Nach Veröffentlichung der Ermittlungsunterlagen im Fall Maddie hatte die belgische Polizei mehr als hundert Tipps erhalten, von denen 30 näher untersucht werden sollen, meldete die britische Nachrichtenagentur PA. Aus den Unterlagen ging hervor, dass ein Informant von Scotland Yard Maddies Verschwinden mit einem belgischen Kinderschänderring in Verbindung gebracht hatte. Der Tipp war aber von der portugiesischen Polizei als unglaubwürdig bewertet und zu den Akten gelegt worden.

Madeleine war am 3. Mai 2007 kurz vor ihrem vierten Geburtstag an der Algarve-Küste in Südportugal aus der Ferienwohnung ihrer Eltern spurlos verschwunden.

Unterdessen kommen immer mehr Details aus dem umfangreichen Ermittlungsmaterial ans Licht. So wollte die portugiesische Polizei mit Hilfe von Wanzen Gespräche von Maddies Eltern Kate und Gerry McCann abhören. Ein Antrag der Ermittler, zwei Wanzen in der Ferienwohnung und eine im Auto des Paares zu installieren, wurde allerdings von einem Richter abgelehnt.

Ferner wurde bekannt, dass zwischen dem Verschwinden Maddies und weiteren kriminaltechnischen Untersuchungen der Ferienwohnung dort noch vier andere Familien untergebracht waren. Insgesamt elf Menschen verbrachten dort ihren Urlaub, bevor britische Spürhunde durch den möglichen Tatort geführt wurden.

Nach dem Verschwinden Maddies gingen die Ermittler zunächst von einer Entführung aus. Später neigten sie zu der Annahme, dass die Kleine tot sei und erklärten die Eltern zu Verdächtigen. Am 21. Juli wurden die Ermittlungen ergebnislos eingestellt.

sto/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.