Fall Marco Weiss "Das Mädchen ist das Opfer - nicht der Junge"

In einer Woche beginnt der Prozess des in Antalya inhaftierten Schülers Marco Weiss. Die Familie des Mädchens, an dem er sich vergangen haben soll, will die Rechtsmittel gegen den 17-jährigen Deutschen voll ausschöpfen. Opfer sei nicht der Junge, sondern ihr 13 Jahre altes Kind.

Hamburg - Die "Bild"-Zeitung zitiert Charlottes Mutter Heather M., die demnach der türkischen Zeitung "Hürriyet" sagte: "Wir sind sehr traurig. Mehr will ich dazu nicht sagen. Ich bin nicht in der Lage dazu." Eine Sprecherin der britischen Familie erklärte: "Was die 13-jährige Tochter durchleben musste, hat die Familie in einen Schockzustand versetzt."

Charlotte M. sei traumatisiert und werde noch immer psychologisch betreut. Ihre Mutter wolle die Rechtsmittel gegen den inhaftierten Marco Weiss voll ausschöpfen.

Man vertraue auf die türkische Justiz und sehe keine Veranlassung, mit der Familie des Jungen in Uelzen zu sprechen, teilte die Familie in Manchester der Hörfunkagentur dpa/Rufa mit. Opfer sei nicht der 17-jährige Marco Weiss, sondern ihre 13 Jahre alte Tochter. Die Familie hat inzwischen die Polizei eingeschaltet, um das Mädchen auch auf dem Schulweg vor Reportern zu schützen.

Auch der Generalstaatsanwalt von Antalya ist über die deutschen Kamerateams vor dem Gefängnis der Stadt verärgert. Osman Vuraloglu sagte nach türkischen Zeitungsmeldungen, er sehe die Berichte der deutschen Medien und das Warten der Journalisten vor dem Gefängnis als "versuchte Beeinflussung der Justiz" an. Als "Taktlosigkeit" bezeichnete der Generalstaatsanwalt den Anruf von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, in dem sich dieser bei seinem türkischen Amtskollegen Abdullah Gül um eine Freilassung des Schülers bemüht hatte.

Kanzlerin Merkel äußert sich erstmals zu dem Fall

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in den "Tagesthemen", dass die Bundesregierung Marco unterstützen wolle. "Zunächst geht es jetzt darum, dass wir dem Jungen helfen, und das tut die Bundesregierung gemeinsam mit allen anderen, die dazu einen Beitrag leisten können", sagte Merkel. Es sei wichtig, dass der Junge ganz schnell wieder nach Deutschland komme.

Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete gestern, zwischen der Türkei und Deutschland gebe es ein Abkommen über die Überstellung verurteilter Straftäter in das jeweils andere Land. Eine Auslieferung des inhaftierten Schülers wäre daher möglich, wenn der 17-Jährige dies wünsche.

Würde er nach einem Urteil ausgeliefert werden, könnte er seine Reststrafe in der Bundesrepublik verbüßen. Dem Schüler droht eine Haftstrafe von bis zu acht Jahren.

Der Prozess soll am 6. Juli in der Türkei beginnen. Dem Schüler aus Uelzen wird vorgeworfen, sich am 10. April in einem Ferienhotel an der 13-jährigen Charlotte M. aus Manchester vergangen zu haben. Seit dem 11. April sitzt er im Gefängnis von Antalya.

jjc/dpa

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