Fall Michelle Ermittlungen wegen Geheimnisverrats

Die Polizei war empört, als Details aus dem Obduktionsbericht im Fall der getöteten Michelle aus Leipzig an die Öffentlichkeit drangen. Jetzt leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Geheimnisverrats ein.


Leipzig - Eine Meldung der "Bild"-Zeitung hatte die Ermittler am Dienstag verärgert. Die achtjährige Michelle sei sexuell missbraucht und anschließend erstickt worden, hieß es in dem Bericht, der sich auf den Obduktionsbericht bezog. Am Mittwoch dann zog die "Morgenpost Sachsen" nach und berichtete ausführlich über angebliche Ermittlungsergebnisse.

Polizei und Staatsanwaltschaft suchen nun offenbar nach dem Informationsloch in den eigenen Reihen. Die Staatsanwaltschaft habe noch am Dienstag ein Ermittlungsverfahren wegen Geheimnisverrats eingeleitet, sagte deren Sprecher Ricardo Schulz am Mittwoch. Man prüfe außerdem, ob auch gegen Journalisten wegen Anstiftung oder Beihilfe zum Geheimnisverrat ermittelt werden solle.

Leipzigs Polizeipräsident Horst Wawrzynski forderte die Ermittler der 177-köpfigen Sonderkommission zur Wahrung der Nachrichtensperre auf. "Jeder sollte sich daran halten, ohne jede Ausnahme", sagte der Polizeipräsident der "Leipziger Volkszeitung".

Wawrzynski erklärte außerdem, die Polizei schließe einen Massen-Gentest im Fall der getöteten Achtjährigen nicht mehr aus. Dies sei die Ultima Ratio, wenn die Ermittlungen ins Leere liefen, sagte er der Zeitung. Auch eine personelle Aufstockung der Sonderkommission Michelle sei möglich.

Michelle war am 18. August nicht von den Ferienspielen im Hort nach Hause gekommen. Drei Tage später fand ein Spaziergänger die Leiche des Mädchens im Teich eines Leipziger Parks. Die Polizei sucht seither mit einem Großaufgebot ihren Mörder.

ala/dpa/ddp



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