Fall Mirco Ex-Frauen beschreiben Angeklagten als "Familienmensch"

Olaf H. hat gestanden, den zehnjährigen Mirco getötet zu haben. Die Ex-Frauen des Mannes haben nun vor dem Krefelder Landgericht ausgesagt - und schilderten den Angeklagten als ruhig, ausgeglichen und immer hilfsbereit.


Krefeld - Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord aus niederen Beweggründen und zur Verdeckung eines sexuellen Missbrauchs vor: Im Prozess gegen den geständigen Mörder des zehnjährigen Schülers Mirco aus Grefrath hat am Freitag die seit wenigen Wochen geschiedene Ehefrau des Angeklagten ausgesagt. Die 33-Jährige verzichtete auf ihr Schweigerecht und schilderte vor dem Krefelder Landgericht den Angeklagten als ausgeglichenen, hilfsbereiten "Familienmenschen, für den die Familie alles bedeutet hat".

Zum Berufsleben ihres damaligen Mannes sagte sie: "Er hat seinen Job gerne gemacht, aber es war schon teilweise recht stressig." Mit seinem Chef in München habe H. Probleme gehabt, die Meinungen hätten oft auseinandergelegen. Er habe sich deswegen auf einen geplanten Jobwechsel innerhalb der Firma gefreut. Ihr Mann habe zu Hause über den Job nicht viel gesprochen. Die Polizei hatte nach den ersten Ermittlungen erklärt, Olaf H. habe Mirco getötet, weil er Stress bei der Arbeit gehabt und dafür ein Ventil gesucht habe.

Sie habe mit ihrem Mann nach dem Verschwinden Mircos über den Fall gesprochen, sagte die 33-Jährige. Olaf H. habe sich entsetzt gezeigt über das Verschwinden des Jungen. Einen Tag nach der Entführung Mircos habe sie mit ihrem Mann ein großes Volksfest besucht. Sei habe dabei keinerlei Änderung in seinem Wesen und Verhalten feststellen können. Auch der Wagen sei eher unordentlich und nicht penibel gereinigt gewesen.

Zeuginnen sahen keine Anzeichen für pädophile Neigungen

Olaf H. war dreimal verheiratet. Auch die früheren Ehefrauen von Olaf H. charakterisierten ihn als friedfertigen, treusorgenden Familienvater. Sein Sexualleben sei völlig normal gewesen. Keine der Frauen hat ein Anzeichen für pädophile Neigungen bemerkt. Sie habe sich sogar überlegt, ob ihr Ex-Mann mit seinem Geständnis jemanden schützen wolle, sagte eine der Frauen.

Der Prozess wurde am Freitag nach dreiwöchiger Pause fortgesetzt worden. Mit der Befragung von Zeugen aus dem privaten und beruflichem Umfeld will sich das Gericht ein Bild von der Persönlichkeit des Angeklagten machen. Olaf H. hat die Tat gestanden, aber verschiedene Versionen des Ablaufs zu Protokoll gegeben und sich dabei in Widersprüche verwickelt.

Der zehnjährige Mirco war am 3. September 2010 auf dem Nachhauseweg entführt und ermordet worden. Zeugen hatten am Ort der Entführung auf einem dunklen Feldweg zur fraglichen Zeit einen VW Passat Kombi beobachtet, wie ihn der Angeklagte fuhr.

Mit dem Urteil wird am 30. September gerechnet.

wit/ulz/dapd/dpa

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