Fall Mirco Gericht hält Geständnis für unvollständig

Ist das Geständnis des mutmaßlichen Mörders im Fall Mirco lückenhaft? Das Krefelder Landgericht hat Zweifel, dass Olaf H. alles gesagt hat, was er hätte sagen können. Im Verfahren schweigt der Angeklagte - auch zum Tatmotiv.

Ermittlungsakten im Fall Mirco: "Es bestehen ernsthafte Zweifel, ob das alles war"
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Ermittlungsakten im Fall Mirco: "Es bestehen ernsthafte Zweifel, ob das alles war"


Krefeld - Das Geständnis von Mircos mutmaßlichem Mörder ist nach Ansicht des Krefelder Landgerichts lückenhaft. "Es bestehen ernsthafte Zweifel, ob das alles war, was es zu gestehen gibt", sagte der Vorsitzende Richter Herbert Luczak am Freitag. Dies werde Einfluss auf das Strafmaß und die Beurteilung der besonderen Schwere der Schuld haben. "Lebenslang kann tatsächlich lebenslang sein. Glauben sie nicht, lebenslang sind nur 15 Jahre - das ist falsch", sagte Luczak dem Angeklagten. Doch der wollte sich nicht mehr äußern.

Zuvor hatte eine Zeugin ausgesagt, ein verdächtiger Kombi habe schon mehr als zwei Stunden vor der Entführung an der Stelle geparkt, an der Mirco gekidnappt wurde. Der Angeklagte Olaf H. hatte gesagt, die Tat sei spontan gewesen. Er habe an der Stelle nur kurz angehalten, um auszutreten, als Mirco mit dem Fahrrad angefahren kam.

Zweifel am Geständnis äußerte auch ein als Zeuge befragter Vernehmungsbeamter: "Es ist der Eindruck geblieben, dass nicht alles gesagt wurde." Olaf H. habe bei der Vernehmung oft minutenlang nachgedacht, bevor er eine Antwort gegeben habe. Er sei meist emotionslos, distanziert und seltsam gewesen. So auch, als er die Ermittler zur Leiche des Jungen geführt habe.

Polizei rekonstruierte Fahrt im Videofilm

Mircos Eltern verfolgten den Verhandlungstag im Gerichtssaal. Sie sahen auch den 52-minütigen Videofilm, mit dem die Polizei die Fahrstrecke des mutmaßlichen Täters und damit den letzten Weg im Leben ihres Sohnes rekonstruierte. Ein Helikopter hatte die Eskorte begleitet und die Strecke aus der Luft gefilmt. Demzufolge war der 45-Jährige nach der Entführung 24 Minuten im Auto mit dem Kind unterwegs, bis er zu dem Waldstück kam, in dem er den Jungen ermordet haben soll. Fünf Monate später wurde dort Mircos Leiche entdeckt.

Der Polizist sagte aus, man sei dem Angeklagten auch über Handydaten auf die Schliche gekommen, mit denen man ein Bewegungsbild zur Tatzeit erhalten habe. Möglicherweise habe dies gegen das Verbot der Vorratsdatenspeicherung verstoßen. "Das hätte man rügen können", sagte Verteidiger Gerd Meister. Inzwischen spiele dies aber keine Rolle mehr.

Der zehnjährige Mirco war am 3. September 2010 auf dem Nachhauseweg entführt und ermordet worden. Zeugen hatten am Ort der Entführung auf einem dunklen Feldweg zur fraglichen Zeit einen VW Passat Kombi beobachtet, wie ihn der Angeklagte fuhr.

ulz/dpa

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mitwisser, 29.09.2011
1.
Zitat von sysopIst das Geständnis des mutmaßlichen Mörders im Fall Mirco lückenhaft? Das Krefelder Landgericht hat Zweifel, dass Olaf H. alles gesagt hat, was er hätte sagen können. Im Verfahren schweigt der Angeklagte - auch zum Tatmotiv. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,777369,00.html
Warum konnte dieser angeblich Hochbegabte nicht einfach zur Besinnung kommen, als Mirco voller Angst 30 Minuten vom ihm in dem Auto durch die Dunkelheit gefahren wurde??? Warum konnte er ihn nicht einfach zurück bringen? Warum konnte er ihn nicht leben lassen? Das Tatmotiv wurde ja ganz gut herausgearbeitet - aber ist mir völlig egal. Warum konnte er das einem Kind antun, wobei er selber Kinder hat? Mir tut das unglaublich leid. Ich bin froh über dieses einzig richtige Urteil. Jemand, der sich von der geschilderten Angst des Kleinen nicht erweichen läßt und im Gegenteil solche Taten verübt, hat mindestens dieses Urteil verdient.
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