Verschwundenes Mädchen Gefundenes Skelett stammt "höchstwahrscheinlich" von Peggy

Die in einem Thüringer Wald gefundenen Skelettreste stammen nach Angaben der Staatsanwaltschaft wohl tatsächlich von Peggy K. Das damals neunjährige Mädchen war 2001 am hellichten Tag verschwunden.

Polizeibeamte nahe dem Fundort
DPA

Polizeibeamte nahe dem Fundort


Die in einem Waldstück in Thüringen gefundenen Knochenreste stammen "höchstwahrscheinlich" von der seit 15 Jahren vermissten Schülerin Peggy. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Bayreuth mit.

"Dies ergaben die ersten rechtsmedizinischen Untersuchungen und Erkenntnisse am Fundort", heißt es in der Mitteilung. Die Staatsanwaltschaft werde nun gemeinsam mit der Kriminalpolizei in Bayreuth und einer Sonderkommission die Ermittlungen fortführen. Sie richten sich bisher gegen Unbekannt. Die polizeiliche Ermittlungsgruppe Peggy wurde zur Soko Peggy erweitert und personell aufgestockt.

Am Montagmorgen war bekannt geworden, dass ein Pilzsammler bereits am Samstag Teile eines menschlichen Skeletts bei Rodacherbrunn im thüringischen Saale-Orla-Kreis gefunden hatte. Der Knochenfundort liegt lediglich 15 Kilometer vom damaligen Wohnort des Mädchens im oberfränkischen Lichtenberg entfernt. An der Fundstelle wurde nach Polizeiangaben bisher nicht nach Peggy gesucht. Ob der Fundort auch der Tatort ist, müsse noch ermittelt werden.

Die sterblichen Überreste werden seit Sonntag in der Rechtsmedizin Jena untersucht. Am Montag suchten zudem Hundertschaften der Polizei ein abgesperrtes Waldstück weiträumig mit Suchstangen ab. Der Großeinsatz sei wegen des unübersichtlichen Geländes und der Auffindsituation der Knochenfunde angemessen, teilte die Polizei mit.

Die Knochen seien im Wald an verschiedenen Stellen entdeckt worden und zum Teil vergraben gewesen. Der Ort sei "nicht stark frequentiert".

Im Bereich des Fundorts seien auch mehrere Gegenstände sichergestellt worden, die ebenfalls auf die Neunjährige hindeuteten. "Es ist alles schlüssig", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel. Um welche Gegenstände es sich handelt, wollte er nicht sagen. Ob Peggy ermordet worden sei, sei noch nicht klar.

Urteil, Wiederaufnahme, Blamage

Die damals neun Jahre alte Schülerin wird seit dem 7. Mai 2001 vermisst, eine Leiche wurde trotz vieler Suchaktionen bisher nicht gefunden. Drei Jahre später wurde der geistig behinderte Tatverdächtige Ulvi K. in einem Indizienprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Landgericht Hof sah es als erwiesen an, dass der Gastwirtssohn die Schülerin tötete, um einen vier Tage vorher begangenen sexuellen Missbrauch an ihr zu vertuschen.

K. hatte die Tat im Juli 2002 gestanden, einige Monate später aber widerrufen. Wegen anderer Vergehen wurde er im Oktober 2002 in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht (lesen Sie hier eine Chronologie des Falls).

Im Dezember 2013 ordnete das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Ulvi K. an, weil das damalige Geständnis von Ulvi K. der vermuteten Tatversion der Polizei auffällig ähnlich war. Außerdem hatte ein Belastungszeuge zugegeben, im ersten Prozess falsch ausgesagt zu haben. Im Mai 2014 hob das Landgericht Bayreuth die frühere Verurteilung von Ulvi K. wegen Mordes an Peggy schließlich auf, die Mutter des Mädchens verzichtete auf eine Revision.

mxw/dpa/AFP



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