Mordfall Walter Lübcke Anwalt des Tatverdächtigen stellt Strafanzeige wegen Geheimnisverrats

Der neue Anwalt des Tatverdächtigen im Mordfall Walter Lübcke vermutet ein Leck bei der Bundesanwaltschaft. Der Jurist wirft den Ermittlern vor, "Informationen gezielt an die Öffentlichkeit" zu bringen.

Polizisten mit dem Tatverdächtigen (am 2. Juli in Karlsruhe)
Uli Deck/DPA

Polizisten mit dem Tatverdächtigen (am 2. Juli in Karlsruhe)

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Der Anwalt des mutmaßlichen Mörders des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat Strafanzeige wegen Verdachts des Geheimnisverrats erstattet. Der Dresdner Jurist Frank Hannig sagte dem SPIEGEL, es seien Informationen aus dem inzwischen widerrufenen Geständnis seines Mandanten an die Öffentlichkeit gelangt, "die nach Lage der Dinge nur aus der originalen Ermittlungsakte der Bundesanwaltschaft stammen können".

Er selbst habe die mehr als 300-seitige Akte noch nicht vollständig gelesen, als er bereits wesentliche Details in der Presse gefunden habe, so Hannig. Die beiden vorhergehenden Anwälte des Tatverdächtigen Stephan Ernst schieden laut Hannig als Quellen aus, sie hätten keinen Zugang zu den Akten gehabt. "Es muss jemanden in den Ermittlungsbehörden geben, der diese Informationen gezielt an die Öffentlichkeit bringt", sagte Hannig. Er mahnte ein rechtsstaatliches Verfahren an.

Die Bundesanwaltschaft will die Vorwürfe zu einem angeblichen Leck bei den Behörden und die Strafanzeige nicht kommentieren. Die Anzeige wird von der Staatsanwaltschaft Karlsruhe bearbeitet.

Video: Verdächtiger widerruft sein Geständnis

Uli Deck/DPA

Aus dem inzwischen widerrufenen Geständnis Ernsts waren in den vergangenen Tagen etliche Details bekannt geworden. So hatten zuletzt "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR unter Berufung auf die ursprüngliche Aussage des Hauptverdächtigen berichtet, dieser sei die Tat in den vergangenen Jahren schon mehrfach angegangen: Mindestens zwei Mal sei Ernst demnach zu Lübckes Haus gefahren, jeweils mit einer Waffe in der Tasche. Als er den CDU-Politiker schließlich am 2. Juni doch getötet habe, sei dies wortlos geschehen.

Der 45-Jährige Ernst hatte in der vergangenen Woche sein Geständnis zurückgezogen. Unklar ist, was der Widerruf des Geständnisses für das Verfahren bedeutet - prinzipiell kann es jedoch verwertet werden (hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten dazu).

Ernst, der seit Mitte Juni unter dringendem Mordverdacht in Untersuchungshaft sitzt, hat eine lange Vergangenheit als gewaltbereiter Rechtsextremist. Er fiel wiederholt mit Gewaltdelikten, Verstößen gegen das Waffengesetz, wegen Eigentumsdelikten sowie gemeingefährlicher Straftaten auf.

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