Tödlicher Schuss auf CDU-Politiker Täter bezeichnet Mord an Lübcke als "Fehler"

Der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke bewertet seine Tat nach eigenen Worten als falsch. In seinem Geständnis sprach der Rechtsextremist nach SPIEGEL-Informationen auch darüber, wann er sich dazu entschlossen hat.

Kundgebung für Walter Lübcke in Kassel (am Donnerstag): "Geschlossen gegen Ausgrenzung"
Uwe Zucchi/ DPA

Kundgebung für Walter Lübcke in Kassel (am Donnerstag): "Geschlossen gegen Ausgrenzung"


Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke bedauert nach eigenen Angaben die Tat. Der Mord sei "ein Fehler" gewesen, soll Stephan Ernst in seinem Geständnis gesagt haben, wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

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Heft 27/2019
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Demnach soll Ernst weiter ausgeführt haben, er habe den Plan, Lübcke zu töten, schon seit Längerem gehegt. Nach SPIEGEL-Recherchen gehörte Ernst zu jenen Zwischenrufern, die 2015 eine Bürgerversammlung Lübckes störten. Lübcke hatte damals die Aufnahme von Flüchtlingen verteidigt und den Störern entgegengehalten: "Wer diese Werte nicht vertritt, kann jederzeit dieses Land verlassen."

Ernst sitzt seit Mitte Juni wegen des tödlichen Schusses auf den CDU-Politiker Lübcke unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Der 45-Jährige hat eine lange Vergangenheit als gewaltbereiter Rechtsextremist, er fiel zudem wiederholt mit Gewaltdelikten, Verstößen gegen das Waffengesetz, wegen Eigentumsdelikten sowie gemeingefährlicher Straftaten auf.

Ermittelt wird in dem Fall auch gegen den mutmaßlichen Waffenlieferanten Elmar J. sowie gegen einen Mann namens Markus H., der dieses Geschäft vermittelt haben soll. Beiden wird im Fall Lübcke Beihilfe zum Mord vorgeworfen. H. hat nach SPIEGEL-Informationen seit Längerem Kontakte in die rechtsextreme Szene und war den Behörden in der Vergangenheit einschlägig aufgefallen.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses im hessischen Wolfhagen-Istha niedergeschossen worden. Die Bundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein.

Zuletzt war bekannt geworden, dass der Hauptverdächtige Ernst den Ermittlern zufolge auch Waffen an zwei namentlich bislang nicht bekannte Männer aus dem Raum Kassel verkauft hatte. Die beiden sollen der Bundesanwaltschaft zufolge aber nicht an der Ermordung Lübckes beteiligt gewesen sein. Gegen sie werde wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt.

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fis

insgesamt 155 Beiträge
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Seite 1
h.adler 28.06.2019
1. Natürlich sieht er es jetzt als Fehler
Gewalt von Nazis versteht sich fast immer als Exekution des Volkswillens. Deshalb ist rechte Gewaltrhetorik so gefährlich. Da es sich jetzt herausgestellt hat, dass die weit überwiegende Bevölkerungsmehrheit gegen die Tat ist -- auch einige, die ihn vorher noch dazu ermuntert haben -- sieht er jetzt, dass er eben nicht den Volkswillen exekutiert hat.
aggro_aggro 28.06.2019
2. ein Fehler
Er hat vier Jahre lang über diesen Mord nachgedacht. Dann hat er ohne aktuellen Anlass und selbst in seinem wirren Weltbild ohne konkretes Ziel gemordet. Entschuldigungen für absichtliche Taten sind schon bei Kindern albern, nur Wiedergutmachung und zukünftige Verhaltensänderung sind für die Geschädigten sinnvoll. Bei Tötungsdelikten ist das nicht möglich.
sesamerin 28.06.2019
3. Fehler?
Die Ermordung Lübckes ist ein Kapitalverbrechen und kein Fehler.
AntiGravEinheit 28.06.2019
4. Zweierlei Maß?
"Ermittelt wird in dem Fall auch gegen den mutmaßlichen Waffenlieferanten Elmar J. sowie gegen einen Mann namens Markus H., der dieses Geschäft vermittelt haben soll. Beiden wird im Fall Lübcke Beihilfe zum Mord vorgeworfen." Also wenn eine Einzelperson ein Waffengeschäft vermittelt, dann werden auch Lieferant und Vermittler Beihilfe zum Mord vorgeworfen, wenn mit dieser Waffe jemand umgebracht wurde. Wenn eine Regierung Waffengeschäfte vermittelt und mit diesen Waffen des Lieferanten (Großkonzern) viele und noch mehr Menschen getötet und umgebracht werden, dann nennt man das Geschäftsmodell und vorgeworfen wird niemandem etwas (und schon gar nicht ermittelt).
kochra8 28.06.2019
5. Lübcke wollte bloss ein anständiges Deutschland
Die meisten Emigranten haben sich sehr gut emigriert. Sie säubern Bushaltestellen, wo sonst keiner hinguckt. Anständig sind sie auch. Sie schmeissen keine Schnapsflasche aus dem Autofenster. Es sind persönliche Erfahrungen! Viele könnten herhalten, wenn es um Beispiele geht. Würden sie sich anders verhalten, riefe man sofort nach Ausweisung. Lübcke hat darauf hingewiesen: Wer keine saubere Weste hat, kann ja gehen. Was war daran falsch? Lübcke wollte bloss ein anständiges Deutschland!
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