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Lübcke-Mord Wer googelte in der Tatnacht "Kopfschuss"?

Gibt es im Mordfall Lübcke noch unbekannte Mitwisser? Die Ermittler gehen nach Informationen des SPIEGEL auch merkwürdigen Suchanfragen im Internet nach.
aus DER SPIEGEL 18/2020
Porträt des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (Archiv): rätselhafte Suchanfragen

Porträt des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (Archiv): rätselhafte Suchanfragen

Foto: Swen Pförtner/DPA

Im Mordfall Walter Lübcke sind Ermittler auf rätselhafte Suchanfragen im Internet gestoßen. Bereits kurz nach der Tat hat ein Experte für digital-forensische Analyse herausgefunden, dass in der Mordnacht gegen 0.56 Uhr von Nordrhein-Westfalen aus nach dem Stichwort "Kopfschuss" gegoogelt wurde.

Nach diesem Wort werde in Hessen und NRW pro Monat nur ein- bis dreimal gesucht, heißt es in den Ermittlungsakten. Die "zeitliche und geografische Nähe" zum Lübcke-Mord war für die Ermittler ein Hinweis darauf, dass die Suchanfrage "mit hoher Wahrscheinlichkeit" von einer Person durchgeführt wurde, die von der Tötung wusste.

Der Kasseler Regierungspräsident war in der Nacht zum 2. Juni 2019 zwischen 23.20 und 23.30 Uhr erschossen worden. Gefunden wurde er gegen 0.30 Uhr. Die Todesursache war zunächst unklar. Erst um 4.45 Uhr, Stunden nach der Suchanfrage bei Google, wurde das Projektil im Kopf entdeckt.

Der Digitalexperte fand über öffentlich zugängliche Dienste wie Google Trends weitere verdächtige Suchanfragen seit Februar 2019. Es ging um das Wohnumfeld des CDU-Politikers, seine Nachbarn, ob er Hunde hält. Im März wurde nach "Lübcke tot" gegoogelt. Wer das Netz durchsuchte, ist unklar, die Spur führte ins Leere. Auch ein Rechtshilfeersuchen in die USA, wo Google seinen Sitz hat, blieb ohne Erfolg.

Der Hauptbeschuldigte Stephan Ernst hatte in seinem ersten Geständnis, bei dem er den Mord zugegeben hatte, bestritten, in der Tatnacht mit gezielten Suchbegriffen im Internet recherchiert zu haben. Später widerrief er das Schuldgeständnis.

DER SPIEGEL 18/2020
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Der Anwalt des Mitbeschuldigten Markus H. wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Die Bundesanwaltschaft prüft weiterhin, ob es bisher noch nicht identifizierte Mittäter gab.

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