Bericht zu Yagmurs Tod Prüfer konstatieren schwere Fehler des Jugendamts

Die Rede ist von einem eklatanten Verstoß gegen "anerkannte Grundsätze guter Sozialarbeit": Gut einen Monat nach dem Tod der dreijährigen Yagmur in Hamburg macht ein Prüfbericht dem Jugendamt schwere Vorwürfe. Dennoch sehen die Prüfer offenbar keinen Rechtsverstoß.


Hamburg - Ein interner Bericht erhebt im Fall der offenbar zu Tode geprügelten dreijährigen Yagmur schwere Vorwürfe gegen das zuständige Jugendamt. Auf 43 Seiten werden darin Verfehlungen der Behörde aufgelistet, wie der NDR berichtet. Demnach könnte das Mädchen noch leben - doch das Jugendamt Hamburg-Eimsbüttel sei mit den Eltern zu nachsichtig gewesen.

Yagmur war seit ihrer Geburt von verschiedenen Jugendämtern betreut worden. Sie lebte lange bei einer Pflegemutter, durfte aber seit August 2013 wieder bei ihren leiblichen Eltern wohnen - obwohl es den Verdacht gab, dass es bei einem Besuch Anfang 2013 zu einer schweren Schädelverletzung gekommen war.

Yagmur war am Morgen des 18. Dezember 2013 in der elterlichen Wohnung innerlich verblutet, die Folgen eines Leberrisses. Die Obduktion offenbarte mehrere schlecht verheilte Rippenbrüche, dazu Armfrakturen sowie Blutergüsse am gesamten Körper. Yagmurs Eltern sitzen in Untersuchungshaft. Der Vater - wegen Körperverletzung, Drogendelikten und Diebstahls polizeibekannt - soll das Mädchen misshandelt haben. Er bestreitet das.

Verstoß gegen "anerkannte Grundsätze guter Sozialarbeit"

Die Mutter soll gegen die Übergriffe nichts unternommen haben. Ihr wird Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft soll die Mutter versucht haben, Blutergüsse am Körper des Mädchens mit Schminke zu überdecken.

Laut NDR kommt der Prüfbericht zum Schluss, dass eine Mitarbeiterin im Jugendamt das Mädchen nicht hätte zu den Eltern schicken dürfen. Die Mitarbeiterin habe aber eklatant gegen "anerkannte Grundsätze guter Sozialarbeit" verstoßen, heißt es in dem Bericht. Juristisch kann die Frau offenbar nicht belangt werden. Denn am 7. Mai einigte sich eine Richterin mit dem Anwalt der Eltern und einer Expertin des Jugendamts darauf, das Kind zu seinen Eltern zurückzuführen. Das Gericht bestreitet, dass es eine derartige offizielle Einigung gegeben habe.

Der Fall sorgte auch deshalb für Empörung, weil das Jugendamt Eimsbüttel bereits Monate vor dem Gerichtsbeschluss einen Antrag auf Entzug des Sorgerechts gestellt hatte. Schon damals ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen Yagmurs Eltern wegen des Verdachts der schweren Misshandlung. Die Ermittler hätten die Anzeige aber "im Sande verlaufen lassen", schreibt der NDR.

ulz

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