Falschgeld-Anklage Künstler K. und sein Millionen-Dollar-Werk

Es war einer der größten Falschgeld-Funde weltweit: In Köln stellten Ermittler Dollar-Blüten mit einem Nennwert von 16,5 Millionen Dollar sicher. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben - gegen einen Rentner und einen Grafiker, der schon früher durch seine Liebe zur Kopie auffiel.

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Köln - Es gibt dieses geflügelte Wort, das Journalisten und Polizisten gleichermaßen gerne benutzen, und das häufig nicht mehr ist als eine ironisch vorgetragene Phrase. Es heißt, so sagen die Rechercheure dann und ziehen distanziert-lässig die Augenbrauen hoch, man müsse "im Dreck wühlen", um auf wertvolle Informationen zu stoßen.

Manchmal ist das wirklich so.

BKA-Beamter mit gefälschten Dollar-Noten: "Von ziemlich guter Qualität"
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BKA-Beamter mit gefälschten Dollar-Noten: "Von ziemlich guter Qualität"

Die Szene jedenfalls, die im September 2006 den größten Falschgeld-Fall in der deutschen Kriminalgeschichte und einen der bedeutendsten weltweit ins Rollen brachte, hätte jeden Gangster-Streifen einleiten können: Das ungläubige Gesicht des Baggerfahrers auf der Mülldeponie Köln-Niehl, als aus den sieben Säcken vor ihm plötzlich Dollar-Fetzen rieselten, das Feixen der Kollegen, das anrückende Großaufgebot der Polizei. So fangen eigentlich "Tatorte" an - und ganz selten auch richtige Krimis.

Was damals im Dreck begann, hat das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Köln ein Jahr lang beschäftigt. Das Resultat der gemeinschaftlichen Ermittlungen trägt das Aktenzeichen 107 Js 269/06 und hat 45 Seiten, auf der ersten steht "Anklage".

Dieses Dokument, das jetzt bei der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Köln eingegangen ist, beschreibt detailliert, wie der Künstler Hans-Jürgen K. insgesamt 16,5 Millionen Dollar in 100er-Scheinen gedruckt und einen Teil davon zu verkaufen versucht hat. Der ebenfalls angeklagte Rentner Manfred A., 69, soll ihm dabei geholfen haben. Doch aus dem Rekord-Deal wurde nichts, das Duo flog auf, vor allem weil sich in den Müllsäcken mit den Ausschuss-Blüten auch der Name und die Adresse ihres mutmaßlichen Schöpfers fanden: Hans-Jürgen K.

Den 66-Jährigen kennt man in der Domstadt unter einem Namen, der vielleicht etwas über seine Arbeitsweise und damit auch über seine Person aussagt. "Kölscher Andy Warhol" wird der Grafiker spöttisch genannt, weil seine Lithografien eine offensichtliche Ähnlichkeit zu denen des US-Meisters aufweisen sollen.

"Die Blüten waren von ziemlich guter Qualität", sagt Oberamtsanwältin Petra Schumacher, die das ebenso aufwendige wie erfolgreiche Ermittlungsverfahren geleitet hat, SPIEGEL ONLINE. "Allenfalls hätte man am Papier feststellen können, dass die Scheine nicht echt sind." Ihren Erkenntnissen zufolge hätten die Noten jedoch in Ländern in Verkehr gebracht werden sollen, "in denen der Dollar nicht so gut gekannt, dafür umso mehr als Schattenwährung geschätzt wird".

In den abgehörten, "sehr konspirativen" Telefonaten der Verdächtigen sei häufiger von Afrika die Rede gewesen, so Schumacher. Die gefälschten Geldscheine hätten die Männer indessen als "grüne Tapeten, Autos oder Bildchen" bezeichnet.



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