Fatale Therapie Gericht rollt Prozess gegen Drogenarzt neu auf

Zwei Patienten starben, fünf mussten mit Vergiftungserscheinungen behandelt werden: Mehr als vier Jahre sollte der Berliner Arzt Garri R. nach einer tödlichen Therapiesitzung in Haft. Doch der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf, nun beginnt der Prozess von vorne.

Tatort im Berliner Stadtteil Hermsdorf (Archiv): Prozess beginnt von vorne
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Tatort im Berliner Stadtteil Hermsdorf (Archiv): Prozess beginnt von vorne


Berlin - Das Berliner Landgericht muss sich erneut mit dem Fall Garri R. beschäftigen: Der Berliner Arzt und Psychotherapeut steht seit diesem Montag wegen des Todes zweier Patienten durch einen Drogencocktail vor Gericht.

Im Mai vergangenen Jahres war Garri R. wegen Körperverletzung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Zudem verhängte das Landgericht ein lebenslanges Berufsverbot gegen den Arzt und Psychotherapeuten.

Der Bundesgerichtshof hob das Urteil im Januar wieder auf und gab damit der Revision des Angeklagten statt. Das Berliner Landgericht habe den Körperverletzungsvorsatz nicht "nachvollziehbar" nachgewiesen, so die Bundesrichter. Aus ihrer Sicht handelte der Angeklagte fahrlässig, nicht vorsätzlich.

Bei einer "psycholytischen Intensivsitzung" im September 2009 hatte der Arzt insgesamt sieben Patienten einen Cocktail aus zum Teil illegalen Drogen verabreicht. Ein 59-jähriger Patient kollabierte sofort und starb. Ein 28-Jähriger brach zusammen und starb in einem Krankenhaus. Fünf weitere Patienten erlitten Vergiftungserscheinungen und Bewusstseinsstörungen. Der Angeklagte hatte vor Gericht die Verantwortung für den Tod der Männer übernommen.

Die Bundesrichter argumentierten, sämtliche Mitglieder der Therapiegruppe hätten das Betäubungsmittel "eigenhändig und wissentlich" zu sich genommen, deshalb liege eine "eigenverantwortliche Selbstgefährdung" vor. Für den neuen Prozess am Berliner Landgericht sind zunächst acht Verhandlungstage angesetzt.

hut/AFP



insgesamt 2 Beiträge
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GerhardFeder 18.04.2011
1. Gut zu wissen
Wenn der Arzt mir sagt, was er mir da verabreicht, dann soll ich als Patient selber wissen, ob ich dadurch zu Tode kommen kann. Da kann sich ja jeder Mediziner nun das Studium und die Rote Liste sparen - tote Patienten sind immer nur fahrlässiger Hndlung ausgesetzt, weil der Arzt ja sowieso nicht weiss, was er da tut. Danke BGH.
mcmercy, 18.04.2011
2.
Tja warum ist Drogenhandel dann überhaupt noch verboten, die Konsumenten wissen doch was Sie zu sich nehmen. Ansonsten den Arzt halt wegen Drogenhandel zu 5 Jahren verknacken. " Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. Betäubungsmittel unerlaubt anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie, ohne Handel zu treiben, einführt, ausführt, veräußert, abgibt, sonst in den Verkehr bringt, erwirbt oder sich in sonstiger Weise verschafft,"
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