Rapper Shahin Najafi Iranischer Diplomat in München soll Fatwa verbreitet haben

Der iranische Rapper Shahin Najafi ist untergetaucht, weil Religionsgelehrte ihn als Ketzer verurteilten und ein Todesdekret gegen ihn erließen. Ein Mitarbeiter des iranischen Generalkonsulats in München steht im Verdacht, die Fatwa per E-Mail verbreitet zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Shahin Najafi (Archiv): Der Künstler ist untergetaucht

Shahin Najafi (Archiv): Der Künstler ist untergetaucht

Foto: dapd/ Schahryar Ahadi

München/Teheran - Er erhält Todesdrohungen und ist untergetaucht: Vor rund zwei Wochen geriet der iranische Rapper Shahin Najafi ins Visier von Religionsgelehrten. Sie verurteilen ihn als Ketzer. Mehrere Todesdekrete wurden gegen den 31-Jährigen erlassen und im Internet verbreitet, die Polizei ermittelt.

Nun rückte ein Mitarbeiter des iranischen Generalkonsulats in München in den Fokus der Ermittlungen: Möglicherweise verschickte der Mann das Todesdekret, teilte das bayerische Justizministerium mit. Die Staatsanwaltschaft befasse sich bereits mit der Sache.

Anfang des Monats war gegen Najafi, der seit 2005 in Deutschland lebt, eine Fatwa verhängt und ein Kopfgeld von 100.000 Dollar ausgesetzt worden. Der 31-Jährige soll mit seinem neuen Song "Naghi" einen Iman beleidigt haben. Das islamische Rechtsgutachten wurde von einem Groß-Ajatollah verhängt und verurteilt Najafi als Ketzer. Nach islamischen Gesetzen, die im Iran als Basis der meisten juristischen Urteile gelten, steht auf Blasphemie die Todesstrafe.

Über das Internet und E-Mails wurde die Fatwa verbreitet. Wenige Stunden nach Veröffentlichung seines Liedes hätten im Internet die ersten Meldungen über das angebliche Todesdekret gegen ihn kursiert, sagte der Rapper kürzlich der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Als ich dann im Internet das Kopfgeld sah, begriff ich, dass es todernst war."

Laut "Süddeutscher Zeitung" bekamen mehrere Menschen, die aus dem Iran stammen und in Deutschland leben, kürzlich eine E-Mail, die auf das Urteil gegen Najafi aufmerksam machte. Ein Empfänger sagte der Zeitung zufolge, die E-Mail von einem Angestellten des iranischen Generalkonsulats in München erhalten zu haben.

Sollte sich der Verdacht gegen den Konsulatsmitarbeiter bestätigen, könnte er nach dem Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen zur "Persona non grata", zur "unerwünschten Person" erklärt werden, wie das Ministerium mitteilte. Er müsste dann Deutschland verlassen.

Bayerns Justizministerin Beate Merk kritisierte die Fatwa mit deutlichen Worten. Es sei für sie unerträglich und nicht hinnehmbar, wenn in Deutschland Entscheidungen muslimischer Rechtsgelehrter verbreitet würden, die davon Betroffene in Gefahr brächten: "Dies ist eine der schärfsten Formen der Paralleljustiz, die wir in Deutschland keinesfalls dulden können."

Najafi lebt mittlerweile an einem geheimen Ort in Deutschland unter Polizeischutz. Gegen den Groß-Ajatollah hat er Strafanzeige wegen Aufrufs zum Mord gestellt.

jbr/siu/dpa
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