Fall Dan Cooper FBI gibt Suche nach Flugzeugentführer nach 45 Jahren auf

1971 sprang Dan Cooper mit 200.000 Dollar Erpressungsgeld aus dem Flugzeug, das er entführt hatte - und wurde nie wieder gesehen. Nun schließen Ermittler des FBI frustriert die Akten in dem Fall.

REUTERS/ FBI

Einer der rätselhaftesten Kriminalfälle in der Geschichte der USA wird wohl nie aufgeklärt - davon geht zumindest das FBI aus. Die US-Bundespolizei hat nach 45 Jahren die Ermittlungen im Fall D.B. Cooper eingestellt. "Wir kamen zu dem Entschluss, dass es an der Zeit ist, den Fall zu den Akten zu legen, weil es nichts Neues mehr gibt", sagte FBI-Special-Agent Frank Montoya Jr. dem US-Nachrichtensender CNN.

Das FBI hätte den Fall "liebend gern gelöst", sagte Montoya. Es fühle sich nicht gut an, diese Niederlage einzugestehen. Doch so etwas passiere manchmal eben: "Es gibt eine Menge Mysterien da draußen - und dieser Fall wird eines davon sein."

Cooper hatte 1971 eine Boeing 727 in seine Gewalt gebracht und zur Zwischenlandung gezwungen. Für die Freilassung von drei Dutzend Passagieren ließ er sich 200.000 Dollar auszahlen und vier Fallschirme geben. Mit einer Rumpfcrew hob er erneut ab und sprang aus drei Kilometer Höhe über dem Bundesstaat Washington mit einem Fallschirm und dem Geld in die Nacht. Was aus ihm wurde, ist unklar. Auf die Flugzeugentführung folgte laut FBI-Homepage eine der "längsten und gründlichsten Ermittlungen" in der Geschichte der Bundespolizei.

Mitte 40, schmale Lippen, schütteres Haar

"Unglücklicherweise hat keiner der gut gemeinten Tipps, keine der neuen Ermittlungstechniken zur Lösung geführt", teilte nun das FBI mit. Jedes Mal, wenn die Beamten neue Hinweise erhielten, würden Ermittlungsressourcen und Mitarbeiter von Fällen abgezogen, die noch dringender der Aufmerksamkeit bedürften. Falls neue Beweismittel, etwa die Fallschirme oder das Geld, auftauchten, würde der Fall selbstverständlich wieder aufgerollt werden. "Doch gleichzeitig sind wir skeptisch, dass dies nach 45 Jahren noch passieren wird", sagte Montoya CNN.

Der Fall Cooper nimmt am 24. November 1971 seinen Anfang. An Bord eines Fluges der Northwest Orient Airlines von Portland nach Seattle sitzt am Platz 18C ein Mann. Er wirkt, als sei er aus einem Agentenfilm gestiegen: Mitte 40, schmale Lippen, schütteres Haar, Vorliebe für Bourbon-Whiskey und Zigaretten der Marke Raleigh. Er trägt eine schwarze Krawatte zum weißen Hemd, dazu Sonnenbrille, dunkler Anzug, Trenchcoat.

Die Stewardess Florence Schaffner hält es für eine plumpe Anmache, als der Herr ihr einen Zettel reicht und will das Stück Papier ungelesen einstecken. Doch er insistiert höflich - bis Schaffner sich die Botschaft genauer anschaut. Auf dem Zettel steht: "Ich habe eine Bombe in meinem Aktenkoffer. Falls nötig, werde ich von ihr Gebrauch machen. Setzen Sie sich neben mich. Das ist eine Entführung."

Teil des Erpressungsgeldes gefunden

Der Passagier hatte sein Ticket für 20 Dollar unter dem Namen Dan Cooper gekauft; in einem Agenturbericht wurde er als D.B. Cooper identifiziert; dieser Name blieb haften.

Handfeste Spuren gab es kaum. 1980 fand ein Junge am Columbia River drei Bündel Geldscheine, insgesamt fast 6000 Dollar. Coopers Geld, wie sich anhand der Seriennummern beweisen ließ. Mehr aber auch nicht.

Immer wieder gab es Theorien, wer der Entführer gewesen sein könnte. Ein Mechaniker aus Washington, der Onkel einer Frau aus Oklahoma, der einst verspätet und mit Verletzungen zu einem Familientreffen gekommen war. Eine neue TV-Dokumentation legt nahe, es könnte sich um einen heute 72-Jährigen aus Kalifornien handeln. Dessen Anwalt sagt allerdings, das sei das "Dümmste, was ich je gehört habe". Schon 1978 war der Mann in den Fokus der Fahnder geraten, galt aber seit 1979 nicht mehr als Tatverdächtiger.

So bleibt Dan Cooper ein Phänomen. Im Jahr 1981 erzählte der Kinofilm "The Pursuit of D.B. Cooper" die Geschichte. In mehreren Städten gibt es Restaurants namens D. B. Cooper's. Im Örtchen Ariel im US-Bundesstaat Washington - in der Nähe könnte Cooper nach seinem Sprung gelandet sein - findet jährlich im Ariel Store and Tavern ein Treffen statt, bei dem Cooper als Held gefeiert wird, als eine moderner Robin Hood.

In der Popkultur bejubelt, für die Ermittler unerreichbar: Dan Cooper ist der einzige Flugzeugentführer der USA, der nie geschnappt wurde. Und so, wie es aussieht, wird das auch so bleiben.

kik/ulz/AP/AFP



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