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06. Januar 2015, 08:13 Uhr

Tod von Michael Brown

Ferguson-Geschworener klagt gegen Geheimhaltung

Warum gab es keine Anklage gegen den Polizisten, der den Teenager Michael Brown in Ferguson erschoss? Ein Geschworener aus der Grand Jury will sich erklären - darf aber nicht. Jetzt klagt er.

Ferguson - Ende November fällte in Ferguson eine Grand Jury die Entscheidung, die Tausende Demonstranten auf die Straße trieb: Darren Wilson, weißer Polizist, habe in Notwehr gehandelt, als er den schwarzen Teenager Michael Brown erschoss. Der Polizist müsse sich nicht vor Gericht verantworten.

Ein Mitglied dieser Jury will nun einige Hintergründe der umstrittenen Entscheidung erklären, berichten "New York Times" und"Washington Post" übereinstimmend. Nach bestehendem Recht im US-Bundesstaat Missouri dürfen Geschworene einer Grand Jury nicht über die Beweise oder ihre Entscheidung sprechen. Der Geschworene, der in den Gerichtsunterlagen nur als "Doe" angeführt ist, klagt nun gegen den zuständigen Staatsanwalt Robert McCulloch, um von ihm das Recht zu erlangen, über die Vorgänge während der Entscheidungsfindung reden zu dürfen.

Offenbar fühlt sich der Juror falsch in der Öffentlichkeit dargestellt. Die momentan kursierenden Informationen zur Arbeit der Jurymitglieder seien nicht zutreffend, heißt es in den Dokumenten. Vor allem die allgemeine Auffassung, dass alle Geschworenen der Meinung seien, es habe keinerlei Handhabe für eine Anklage von Wilson gegeben. Der Staatsanwalt habe versprochen, dass die Entscheidungsfindung transparent kommuniziert werde. An die Öffentlichkeit seien später aber nur Teile weitergegeben worden, teilweise aus dem Kontext gerissen.

Des Weiteren gibt der Geschworene an, Staatsanwalt McCulloch habe einen Teil der Beweise, die der Jury vorgelegt wurden, "falsch charakterisiert". So habe beispielsweise bei den Ermittlungen ein ungewohnt starker Fokus auf dem Opfer gelegen, wodurch der Eindruck entstanden sei, Brown sei der Übeltäter gewesen. Außerdem seien einige Aspekte in einem Durcheinander und unter Zeitdruck besprochen worden.

Der Geschworene argumentiert: Sollte er sich öffentlich äußern dürfen, würde dass zum "aktuellen Dialog betreffend rassistischer Beziehungen beitragen". Er stützt sich dabei auf das First Amendment der US-Verfassung. Eine Strategie, die die "Post" zwar nicht für absolut stichhaltig aber doch "stark" hält.

Der Schritt des Juroren dürfte McCulloch weiter unter Druck setzen, heißt es in den Berichten. Wegen der Art und Weise wie er Beweismittel präsentierte, war er bereits in der Vergangenheit kritisiert worden.

gam

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