Tod von Michael Brown Ferguson-Geschworener klagt gegen Geheimhaltung

Warum gab es keine Anklage gegen den Polizisten, der den Teenager Michael Brown in Ferguson erschoss? Ein Geschworener aus der Grand Jury will sich erklären - darf aber nicht. Jetzt klagt er.

Protestierende in Los Angeles fordern Gerechtigkeit für Michael Brown: Jury-Mitglied will Entscheidung erklären
REUTERS

Protestierende in Los Angeles fordern Gerechtigkeit für Michael Brown: Jury-Mitglied will Entscheidung erklären


Ferguson - Ende November fällte in Ferguson eine Grand Jury die Entscheidung, die Tausende Demonstranten auf die Straße trieb: Darren Wilson, weißer Polizist, habe in Notwehr gehandelt, als er den schwarzen Teenager Michael Brown erschoss. Der Polizist müsse sich nicht vor Gericht verantworten.

Ein Mitglied dieser Jury will nun einige Hintergründe der umstrittenen Entscheidung erklären, berichten "New York Times" und"Washington Post" übereinstimmend. Nach bestehendem Recht im US-Bundesstaat Missouri dürfen Geschworene einer Grand Jury nicht über die Beweise oder ihre Entscheidung sprechen. Der Geschworene, der in den Gerichtsunterlagen nur als "Doe" angeführt ist, klagt nun gegen den zuständigen Staatsanwalt Robert McCulloch, um von ihm das Recht zu erlangen, über die Vorgänge während der Entscheidungsfindung reden zu dürfen.

Offenbar fühlt sich der Juror falsch in der Öffentlichkeit dargestellt. Die momentan kursierenden Informationen zur Arbeit der Jurymitglieder seien nicht zutreffend, heißt es in den Dokumenten. Vor allem die allgemeine Auffassung, dass alle Geschworenen der Meinung seien, es habe keinerlei Handhabe für eine Anklage von Wilson gegeben. Der Staatsanwalt habe versprochen, dass die Entscheidungsfindung transparent kommuniziert werde. An die Öffentlichkeit seien später aber nur Teile weitergegeben worden, teilweise aus dem Kontext gerissen.

Des Weiteren gibt der Geschworene an, Staatsanwalt McCulloch habe einen Teil der Beweise, die der Jury vorgelegt wurden, "falsch charakterisiert". So habe beispielsweise bei den Ermittlungen ein ungewohnt starker Fokus auf dem Opfer gelegen, wodurch der Eindruck entstanden sei, Brown sei der Übeltäter gewesen. Außerdem seien einige Aspekte in einem Durcheinander und unter Zeitdruck besprochen worden.

Der Geschworene argumentiert: Sollte er sich öffentlich äußern dürfen, würde dass zum "aktuellen Dialog betreffend rassistischer Beziehungen beitragen". Er stützt sich dabei auf das First Amendment der US-Verfassung. Eine Strategie, die die "Post" zwar nicht für absolut stichhaltig aber doch "stark" hält.

Der Schritt des Juroren dürfte McCulloch weiter unter Druck setzen, heißt es in den Berichten. Wegen der Art und Weise wie er Beweismittel präsentierte, war er bereits in der Vergangenheit kritisiert worden.

gam

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jujo 06.01.2015
1. ...
Das scheint die Krux zu sein! Wenn ein Staatsanwalt in den USA eien politischen(!) Erfolg braucht, dann wird er der Grand Jury nur die Informationen geben, die ihm nützlich erscheinen und nicht alles um der Jury eine objektive Beurteilung zu ermöglichen. Der Jury soll ja z.B. nur ein "bearbeitetes" Video zum Hergang vorgespielt worden sein, so das Fehlverhalten des Polzizisten verschleiert wurde!
fatherted98 06.01.2015
2. Es gab keine...
...Anklage weil Brown den Polizisten angriff und dieser keine andere Möglichkeit sah als zu schießen...das kann man gut oder schlecht finden...ist aber irgendwo logisch. Wenn mich ein 150 kg / 2 m Mann angreifen und würgen würde, hätte ich auch lieber eine Waffe in der Hand als die Bastmatte auszupacken und eine Diskussion über Gewalt zu beginnen.
rgw_ch 06.01.2015
3. Geheimprozess
Kann ein Staat, der Geheimprozesse führt, überhaupt ein Rechtsstaat sein? http://de.wikipedia.org/wiki/Geheimprozess
fridagold 06.01.2015
4.
Zitat von fatherted98...Anklage weil Brown den Polizisten angriff und dieser keine andere Möglichkeit sah als zu schießen...das kann man gut oder schlecht finden...ist aber irgendwo logisch. Wenn mich ein 150 kg / 2 m Mann angreifen und würgen würde, hätte ich auch lieber eine Waffe in der Hand als die Bastmatte auszupacken und eine Diskussion über Gewalt zu beginnen.
Wow, Sie waren dabei und wissen mehr als der Geschworene?
rgw_ch 06.01.2015
5. Nicht mal ein Prozess?
Zitat von fatherted98...Anklage weil Brown den Polizisten angriff und dieser keine andere Möglichkeit sah als zu schießen...das kann man gut oder schlecht finden...ist aber irgendwo logisch. Wenn mich ein 150 kg / 2 m Mann angreifen und würgen würde, hätte ich auch lieber eine Waffe in der Hand als die Bastmatte auszupacken und eine Diskussion über Gewalt zu beginnen.
Und wieso sollte es nicht Sache eines Gerichtes sein, genau diese Frage zu klären? Wozu braucht man noch Gerichte, wenn man schon im Vorfeld in einem geheimen Verfahren entscheidet, dass eine Tötung keinen Prozess zur Folge haben soll?
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