Erschossener Teenager Obama prangert Schikane von Schwarzen in Ferguson an

Afroamerikanische Bewohner in Ferguson werden gezielt diskriminiert - so das Ergebnis eines Berichts der US-Regierung. Präsident Obama verspricht nun: "Unsere Aufgabe ist es, das Problem zu lösen."


Columbia - Es ist ein schlechtes Zeugnis für die Behörden der US-Stadt Ferguson: Nach Justizminister Eric Holder hat auch PräsidentBarack Obama schwere Missstände in Ferguson im Umgang mit Afroamerikanern angeprangert. Polizisten seien in der Stadt in unverhältnismäßiger Weise gegen Schwarze vorgegangen, sagte Obama laut Mitteilung des Weißen Hauses bei einer Veranstaltung in Columbia im Bundesstaat South Carolina.

Obama bezog sich bei seinen Äußerungen auf einen Bericht des Justizministeriums, der Diskriminierungen in Ferguson festgestellt hat. Holder hatte ihn Mitte der Woche präsentiert. Dem Bericht zufolge lag der Anteil Schwarzer an allen Festnahmen zwischen 2012 und 2014 bei mehr als 90 Prozent - obwohl sie nur zwei Drittel der Bevölkerung der Stadt ausmachen.

Anlass für die Untersuchung war ein Vorfall im vergangenen Jahr: Im Sommer 2014 war der unbewaffnete schwarze Jugendliche Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen worden. Der Tod hatte schwere Proteste ausgelöst.

Regierung will gegen die Polizeigewalt vorgehen

Die US-Regierung kündigte nun an, der Polizeigewalt in der Kleinstadt entgegenzutreten. Er werde alles in seiner Kraft stehende tun, um die Situation vor Ort zu verändern, sagte Justizminister Holder. Notfalls müsse die Polizeibehörde der Stadt im Bundesstaat Missouri komplett umgebaut werden. "Wenn das nötig ist, sind wir bereit, das zu tun."

Er sei "schockiert" über den offiziellen Bericht seines Hauses über die Praktiken der Polizei von Ferguson, sagte Holder. Die "New York Times" zitiert Obama mit dem Satz:

"Unsere Aufgabe ist es, das Problem zu lösen."Der Präsident nimmt an diesem Samstag an einer Gedenkfeier anlässlich des 50. Jahrestages des "Blutigen Sonntags" in der Stadt Selma im Staat Alabama teil. Dort war die Polizei am 7. März 1965 bei einem Protestmarsch gegen die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung gewaltsam gegen die Demonstranten vorgegangen. Polizisten drängten sie an der Stadtgrenze mit Tränengas und Schlagstöcken zurück. Dutzende wurden verletzt. Fernsehbilder des brutalen Einsatzes schockierten die Nation.

yes/dpa/AFP

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insgesamt 16 Beiträge
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thomas haupenthal 07.03.2015
1. es muesste....
...in der Ueberschrift heissen:"Schikanierung von Schwarzen". "Schikane von Schwarzen"koenntre ebensogut bedeuten, dass die Schwarzen die Weissen schikanieren.Und das trifft nicht zu.
Mr Bounz 07.03.2015
2.
Da gab es auf SPON schon vor Monaten Zahlen zu Verkehrskontrollen. . Es werden mehr Schwarze kontrolliert, Weiße haben häufiger illegale Gegenstände dabei, aber Schwarze werden häufiger und härter bestraft.
marcw 07.03.2015
3.
Zitat von Mr BounzDa gab es auf SPON schon vor Monaten Zahlen zu Verkehrskontrollen. . Es werden mehr Schwarze kontrolliert, Weiße haben häufiger illegale Gegenstände dabei, aber Schwarze werden häufiger und härter bestraft.
Nur weil die selektiv kontrollierten Weißen häufiger mit illegalen Sachen erwischt wurden heißt das nicht, dass die Grundgesamtheit häufiger illegale Gegenstände mit sich führt. Siehe "Stichprobenverzerrung".
zvonimir 07.03.2015
4. da helfen doch
alle Lippenbekenntnisse nichts, das ist keineswegs nur in Ferguson so, die sind halt besonders aufgefallen,sondern das altbekannte Problem der USA.
Chris_7 07.03.2015
5. Statistik
Es ist unlauter, nur mit statistischen Daten zu operieren. Dass in Ferguson mehr Schwarze kontrolliert werden kann auch daran liegen, dass diese in bestimmten Deliktsbereichen die durch solche Kontrollen geahndet werden sollen eine höhere Auffälligkeit haben. Wenn die Polizei am Sonntag Morgen um 3 Uhr betrunkene oder auf Drogen befindliche Disko-Heimfahrer aus dem Verkehr ziehen will, dann kontrolliert sie auch Menschen (vorwiegend männlichen Geschlechts) zwischen 18 und 28. Und nicht den 50jährigen Berufskraftfahrer. Und so ist das auch hier. Der Polizist hat irgend wann ein Näschen dafür, wo was sein könnte. Und das lässt sich auch nicht durch "wir machen alle gleich" Wunschwelten wegdiskutieren. In D sind wir da ja Meister darin. Da wird die Bundespolizei kritisiert, dass sie auf der Suche nach illegaler Einwanderung Menschen kontrolliert, die aussehen wie solche. Da wird dann gleich "racial profiling" gerufen, dabei ist das nur logische und effiziente Polizeiarbeit.
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