Jury-Entscheid im Fall Michael Brown Proteste in Ferguson schlagen in Gewalt um

In der US-Stadt Ferguson ist es zu heftigen Krawallen gekommen - weil ein weißer Polizist nicht für die tödlichen Schüsse auf einen jungen Schwarzen angeklagt wird. Der Polizeichef registrierte "rund 150 Schüsse", zwölf Gebäude gingen in Flammen auf.
Jury-Entscheid im Fall Michael Brown: Proteste in Ferguson schlagen in Gewalt um

Jury-Entscheid im Fall Michael Brown: Proteste in Ferguson schlagen in Gewalt um

Foto: JIM YOUNG/ REUTERS

Ferguson - Nach dem Verzicht auf eine Anklage wegen der tödlichen Polizeischüsse auf einen schwarzen Teenager sind die Proteste in der US-Stadt Ferguson in Gewalt umgeschlagen. Demonstranten warfen in der Nacht zum Dienstag Steine und Flaschen auf die Polizei. Schaufenster und Autoscheiben wurden eingeschmissen. Über dem Vorort der Großstadt St. Louis im Bundesstaat Missouri kreisten Polizeihubschrauber.

Einige Gruppen junger Menschen hatten nach der Bekanntgabe der Entscheidung begonnen, zunächst friedlich durch den Ort zu marschieren, von hupenden Autos begleitet. Sie skandierten "No justice, no peace" (keine Gerechtigkeit, kein Frieden) und den Slogan der Protestbewegung: "Hands up, don't shoot." Michael Brown soll vor seinem Tod noch die Hände erhoben haben.

Den Demonstranten gegenüber rückten Cops in Kampfausrüstung an, flankiert von der Nationalgarde. Über der Szene hing Weihnachtsbeleuchtung: "Season's Greetings." Doch auch die Einsatzkräfte hielten sich Augenzeugen zufolge anfangs auffallend zurück - mehr als im August, als es ebenfalls schwere Unruhen gegeben hatte.

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Krawalle in Ferguson: Schüsse, Plünderungen, brennende Gebäude

Foto: Jeff Roberson/ AP/dpa

Später am Abend setzte die Polizei auch Tränengas, Rauchbomben und Pfefferspray ein. Mindestens zwei Streifenwagen wurden laut TV-Berichten in Brand gesteckt. In unmittelbarer Nähe der Straße, in der Brown erschossen wurde, kam es zu den schlimmsten Ausschreitungen. Ein Schönheitssalon, der im August schon mal geplündert worden war, brannte erneut, eine Zeit lang sogar, ohne dass die Feuerwehr oder die Polizei eingriff.

Schüsse, Plünderungen, brennende Gebäude

Es bot sich ein krasser Gegensatz: Der überwiegend von Weißen bewohnte Ortskern von Ferguson war massiv geschützt, der überwiegend von Schwarzen bewohnte Osten dagegen lange nicht. Erst im Laufe der Nacht rückten auch dort die Polizisten an und versuchten, die gewalttätigen Demonstranten zu vertreiben. Per Lautsprecherdurchsage von gepanzerten Fahrzeugen aus forderten sie die Menschen auf, nach Hause zu gehen.

Im Laufe der Nacht gingen mehrere Gebäude in Ferguson in Flammen auf, wie Bilder des Nachrichtensenders CNN zeigten. Immer wieder waren auch Schüsse zu hören. Geschäfte wurden geplündert. Eine Reporterin des Senders wurde während einer Live-Schalte von einem Stein am Kopf getroffen. Sie blieb unverletzt. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP berichtete, vor einem brennenden Gebäude sei die Feuerwehr durch Schüsse wieder vertrieben worden.

Am frühen Dienstagmorgen zog Jon Belmar, Polizeichef des Bezirks St. Louis, eine vorläufige Bilanz der Krawallnacht. Zwölf Gebäude seien in Brand gesteckt worden, einige von ihnen wurden demnach komplett zerstört. Er selbst habe "rund 150 Schüsse" gehört, die abgefeuert wurden. Die Einsatzkräfte der Polizei hätten nicht geschossen. Belmar nannte die Ausschreitungen "vermutlich viel schlimmer als die schlimmste Nacht im August". 29 Menschen seien festgenommen worden.

Der weiße Polizist Darren Wilson hatte Anfang August in Ferguson den 18-jährigen Michael Brown erschossen. Der Teenager war unbewaffnet. Wilson erklärte, nach einem Handgemenge in Notwehr gehandelt zu haben. Eine sogenannte Grand Jury aus zwölf Geschworenen, allesamt juristische Laien, kam am Montag zu dem Schluss, dass die Beweislage für eine Anklage gegen den Polizisten nicht ausreiche. Hunderte Demonstranten kamen vor der Polizeiwache von Ferguson zusammen, in der Wilson stationiert war. "Hey, hey, ho, ho! Diese Mörder müssen gehen", skandierte die Menge.

US-Präsident Barack Obama rief in einer kurzfristig anberaumten Fernsehansprache zur Ruhe auf. Obama sagte, er schließe sich dem Wunsch von Browns Eltern nach friedlichen Protesten an. "Ich appelliere auch an die Polizeibeamten in Ferguson und der Region, bei friedlichen Protesten Vorsicht und Zurückhaltung walten zu lassen", sagte der US-Präsident.

In vielen US-Städten, darunter Los Angeles, Chicago und New York gingen Tausende zu größtenteils friedlichen Protesten auf die Straßen. Auch sie skandierten: "Hands up, don't shoot."

In New York versammelten sich jeweils Hunderte Menschen auf dem Times Square und dem Union Square. Die Polizei begegnete den Demonstranten, die auf Bannern "Polizeiwillkür" und "Rassismus" anprangerten, mit einem Großaufgebot. In der Hauptstadt Washington kamen hunderte Demonstranten vor dem Weißen Haus zusammen. Sie forderten "Gerechtigkeit für Mike Brown".

pit/wit/dpa/AFP/AP/Reuters
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