Feuer von Ludwigshafen Ermittler halten Brandanschlag für "äußerst unwahrscheinlich"

Zwischenbericht zur Brandkatastrophe von Ludwigshafen: Weder ein Anschlag noch ein technischer Defekt kommen als Ursache des Feuers in Frage, gab die Staatsanwaltschaft Frankenthal heute bekannt.


Hamburg - Der verheerende Wohnungsbrand in Ludwigshafen, bei dem neun Menschen ums Leben kamen und 60 verletzt worden sind, ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht auf einen Brandanschlag zurückzuführen. Ein fremdenfeindlicher Angriff, aber auch ein Anschlag aus anderen Motiven sei "äußerst unwahrscheinlich", sagte Oberstaatsanwalt Lothar Liebig, der von einem "bedeutsamen Zwischenstand der Ermittlungen" sprach. "Wir haben keinerlei Ansatzpunkt für eine fremdenfeindliche Attacke oder eine vorsätzliche Brandlegung." Wahrscheinlich sei der Brand durch ein "wie auch immer geartetes fahrlässiges Verhalten entstanden".

Die Ermittlungen ergaben Liebig zufolge, dass der Brand eindeutig nicht durch einen technischen Defekt an einer Stromleitung oder einem Elektrogerät entstand. "Im Brandausbruchsbereich gab es keine derartige elektrische Einrichtung", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt. "Diese Ursache ist auszuschließen".

Gegen einen Brandanschlag sprechen verschiedene Erkenntnisse der Ermittler: Das Feuer ist laut Liebig sehr langsam ausgebrochen. "Die Enstehung und der Verlauf sprechen gegen einen Anschlag, da solche Täter eine derartig gemächliche Brandentwicklung in der Regel nicht in Kauf nehmen", sagte Liebig. Das Feuer habe laut Gutachten 15 Minuten bis drei Stunden geschwelt, bis er schließlich auf einer sehr begrenzten Fläche richtig ausgebrochen sei. Brandbeschleuniger wurden nicht gefunden.

Außerdem lag die Brandausbruchstelle laut Liebig "sehr tief im Gebäude". Ersten Gutachten zufolge brach der Brand unter der Kellertreppe aus. Ein Zugang zum Keller sei für Außenstehende sehr schwierig gewesen. "Am Tag des Brandes waren rund 60 Personen im Haus. Es hätte ein sehr hohes Entdeckungsrisiko gegeben."

Aussage zweier Mädchen

Dass der Brand im Flur des Hauses ausgebrochen sei, sei durch die Untersuchungen eindeutig auszuschließen. Zwei acht und neun Jahre alte Mädchen hatten kurz nach der Feuertragödie erzählt, dass sie im Hauseingang einen Mann beim Zündeln beobachtet hätten. Die beiden hätten jedoch "keine stabile Aussage" gemacht und ihre ursprünglichen Angaben korrigiert, sagte Liebig. "Die zweite Aussage der Mädchen ist glaubhaft und gut nachzuvollziehen." Die Mädchen, die selbst Teil der Katastrophe gewesen seien, hätten für sich eine Erklärung gebraucht und deshalb von einem vermeintlichen Täter berichtet. Dies sei das Ergebnis eines psychologischen Gutachtens. Der Psychologe sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es keine Anhaltspunkte für eine "Drittbeeinflussung" der Kinder gebe.

Der Oberstaatsanwalt appellierte an die Ludwigshafener Bevölkerung, den Ermittlern unter die Arme zu greifen: "Wenn es noch irgendwo Informationen gibt, die zur Brandaufklärung geeignet sein könnten, ist meine dringende Bitte, diese zur Verfügung zu stellen. Wir appellieren an alle, die vielleicht doch etwas wissen, aber ihr Wissen bisher für sich behalten haben."

han/dpa



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