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Land im Blutrausch: Mexikos Krieg der Kartelle

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Feuergefechte in Nordmexiko "Sie kämpfen mit allem, was sie haben"

Einschusslöcher in Häusern und Autos, verstreute Patronenhülsen auf den Straßen: Heftige Feuergefechte zwischen Soldaten und Drogengangstern haben zwei Städte in Nordmexiko für mehrere Stunden in eine Kriegszone verwandelt - alle Einwohner wurden per Internet aufgefordert, zu Hause zu bleiben.

Nuevo Laredo - Eltern holten ihre Kinder aus der Schule, Fabriken empfahlen ihren Arbeitern, die Gebäude nicht zu verlassen. Die Stadtbehörden forderten die Bewohner über den Kurznachrichtendienst Twitter und auf Facebook dazu auf, in ihren Häusern zu bleiben. Das US-Konsulat in Nuevo Laredo warnte davor, auf die Straße zu gehen. Mindestens eine Straßenkreuzung in der Nähe des Konsulats sei von einer Gang blockiert, hieß es in einer Mitteilung.

Drogenkartellen

Feuergefechte zwischen Regierungssoldaten und Kämpfern von versetzten am Mittwoch die Einwohner zweier nordmexikanischer Städte in Angst und Schrecken. Zeugenberichten zufolge zerrten in Nuevo Laredo Gangster mit vorgehaltenen Waffen Fahrer aus ihren Wagen, um damit die Straße zu blockieren. In der Stadt Reynosa kam es zu einer Schießerei, die zu einem riesigen Stau auf der Autobahn von Matamoros nach Monterrey führte.

Apolinar Rodrigues, der in Nuevo Laredo lebt, berichtete, er meine eine Granatenexplosion gehört zu haben. "Sie kämpfen mit allem, was sie haben", sagte er. "Wir durften für zweieinhalb Stunden das Gebäude nicht verlassen", berichtete die Fabrikarbeiterin Eva Lara.

Gegen Abend meldete die Stadtverwaltung von Nuevo Laredo dann Entwarnung. Die gefährliche Situation sei vorüber und die meisten Autos von der Straße geräumt.

Sowohl den lokalen, wie auch den überregionalen Behörden lagen zunächst keine Meldungen über Tote oder Verletzte vor. Doch Einschusslöcher in Häusern und Autos sowie verstreute Patronenhülsen belegen jedoch die Heftigkeit der Gefechte.

Unbekannte warfen Handgranate auf Kaserne

In Matamoros warfen Unbekannte eine Handgranate auf das Gelände einer Kaserne. Vier Erwachsene seien dabei leicht verletzt worden, sie würden innerhalb der Kaserne behandelt, berichtete ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes.

Ein Krieg zwischen den beiden Kartellen Gulf und Zetas hat in der Gegend im vergangenen Jahr zu einem massiven Anstieg der Gewalt geführt. Immer öfter errichten die Kämpfer Straßensperren aus geklauten Autos und Bussen.

Das Gebiet entlang der Grenze zwischen Mexiko und dem US-Staat Texas ist eine der gewalttätigsten Kampffelder des Drogenkriegs geworden. Häufig kommt es in den Städten zu Feuergefechten. Bei einem der schlimmsten Übergriffe wurden im August in der Nähe von Matamoros 72 illegale Einwanderer ermordet, offenbar weil sie sich geweigert hatten für die Zetas zu arbeiten. Etliche Bürgermeister sowie ein Gouverneurskandidat wurden ermordet.

Anfang der Woche hatte das mexikanische Militär an der Grenze zu den USA 105 Tonnen Marihuana sichergestellt - einer der größten Drogenfunde in der Geschichte des Landes. Am Mittwoch begannen Soldaten damit, die Drogen zu verbrennen. Dies kann bis zu zwei Tagen dauern.

Seit Präsident Felipe Calderón im Dezember 2006 den Drogenkartellen den Krieg erklärte und im Norden des Landes sowie entlang der Pazifikküste verstärkt Soldaten für den Kampf gegen die Kartelle stationierte, sind landesweit mehr als 28.000 Menschen der Drogengewalt zum Opfer gefallen.

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Grafiken: Fakten zum globalen Drogenkrieg

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siu/dapd/AP
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