Finnland Amokläufer erschießt sich selbst

Er tötete fünf Menschen am Silvestermorgen und richtete dann die Waffe gegen sich selbst: Mit Hochdruck hatte die finnische Polizei nach dem Todesschützen von Espoo gefahndet. Schließlich fand sie seine Leiche in einer Wohnung.
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Amoklauf in Finnland: Panik im Einkaufszentrum

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Espoo - Der Amokläufer aus dem finnischen Espoo hat wahrscheinlich Selbstmord begangen. Die Polizei teilte am Donnerstag mit, man habe in der Wohnung des tatverdächtigen Ibrahim Shkupolli eine männliche Leiche gefunden, bei der es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den 43-jährigen Amokläufer handelt. Er soll kurz zuvor zunächst seine Ex-Frau in deren Wohnung und dann vier weitere Menschen in dem Einkaufszentrum Sello erschossen haben.

Hunderte Menschen waren am Silvestermorgen in die Shopping-Mall gekommen, um letzte Besorgungen vor dem Fest zu machen. Kurz nach zehn Uhr Ortzeit betrat der ganz in schwarz gekleidete Shkupolli einen Supermarkt in der zweiten Etage des "Sello" und eröffnete völlig unerwartet das Feuer auf die Kunden. In der Elektroabteilung soll er laut Augenzeugen einen Angestellten mit zwei Kopfschüssen getötet haben. Kunden und Angestellte versuchten verzweifelt, sich in Sicherheit zu bringen. "Viele Leute schrien, und viele Verkäufer waren völlig in Panik", sagte der Augenzeuge im Rundfunk. "Niemand wusste, was los war."

Das komplette Magazin seiner automatischen Pistole soll der Mann aus dem Kosovo abfeuert haben - dann flüchtete er. Vier Menschen starben im Kugelhagel. Bei den Todesopfern handelt es sich laut Polizeiangaben um drei Männer und eine Frau.

Die Polizei riegelte das Einkaufszentrum ab, evakuierte es und stoppte den Zugverkehr durch den nahegelegenen Bahnhof Leppävaara. Mit einem massiven Polizeiaufgebot und Hubschraubern begann die Fahndung nach Ibrahim Shkupolli. Ein Foto des 43-Jährigen wurde veröffentlicht, die Bevölkerung um Hinweise gebeten. Dann stießen die Beamten auf die Leiche des Mannes.

Wahrscheinlicher Hintergrund für den Amoklauf ist Eifersucht. Shukpolli durfte seine Ex-Frau nicht besuchen. Er war verurteilt worden, weil er sie misshandelt hatte. Die Frau war in dem Supermarkt angestellt, in dem sich die Bluttat abspielte. Beamte hatten später auf der Suche nach dem mutmaßlichen Täter die Leiche der Frau in deren Wohnung entdeckt.

Die Stadt Espoo mit knapp 250.000 Einwohnern liegt westlich von Helsinki und ist wegen der dort ansässigen Konzernzentrale des Handy-Herstellers Nokia auch international bekannt.

Zu viele Waffen, zu wenig Kontrolle

In Finnland hat es in den letzten Jahren mehrfach Amokläufe mit vielen Toten gegeben: In einer Berufsschule in Kauhajoki tötete ein Amokläufer im September 2008 acht Mitschülerinnen, einen Mitschüler und einen Lehrer. Der 22 Jahre alte Waffennarr erschoss sich danach selbst. Ende 2007 hatte ein 18-jähriger Abiturient in einem Schulzentrum der Ortschaft Tuusula sechs Mitschüler, eine Krankenschwester und die Schulleiterin erschossen. Anschließend tötete er sich mit einem Kopfschuss.

2002 starben sieben Menschen, als ein Chemiestudent eine Bombe in einem Einkaufszentrum in Vantaa nördlich von Helsinki detonieren ließ. Der Täter kam dabei ums Leben.

In Finnland mit seinen nur 5,3 Millionen Einwohnern befinden sich etwa 1,6 Millionen Schusswaffen in privater Hand. Das Land ist damit unter den fünf Staaten weltweit, die die meisten Waffen in Privatbesitz haben. Immer wieder fordern Kritiker bessere Kontrollen für das Land, in dem hohe Selbstmordraten, Alkoholismus und häusliche Gewalt seit langem ein Problem darstellen. Nach dem letzten Amoklauf beschloss der Reichstag in Helsinki eine Verschärfung des Waffenrechts.

ala/dpa/Reuters/APD
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