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Schule in Florida Tödlicher Angriff am Valentinstag

Ein 19-Jähriger stürmt seine ehemalige Schule in Florida, löst den Feueralarm aus - und erschießt mit einem halbautomatischen Gewehr 17 Kinder und Erwachsene. Er hatte seine Tat offenbar im Netz angedroht.

Es sind immer wieder diese Bilder, dieser amerikanische Albtraum: Jugendliche rennen um ihr Leben, auf einer Wiese liegen Verletzte, hastig kämpfen Ersthelfer um das Leben unschuldiger Opfer, verzweifelte Väter und Mütter weinen um ihre Kinder. Im Hintergrund gehen Polizisten mit schweren Waffen und in Kampfmontur in Stellung.

Diesmal trifft es eine Highschool in Parkland, Florida. Der 19 Jahre alte Ex-Schüler Nikolas Cruz tötet hier am Valentinstag mit einem halbautomatischen Gewehr 17 Menschen, zumeist Schüler, viele weitere werden verletzt.

Es ist bereits der dritte schwere Angriff dieser Art innerhalb weniger Monate: Im Oktober starben 49 Menschen bei einem Konzert auf dem Las-Vegas-Boulevard, im November tötete ein Mann 26 Kirchgänger im texanischen Sutherland Springs.

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US-Bundesstaat Florida: Schüsse an der Marjory Stoneman Douglas High School

Foto: WSVN.com/ REUTERS

Selbst hartgesottene Polizisten sind schockiert über das Ausmaß der Gewalt, über die Brutalität, die Amerika heimsucht. Der langjährige FBI-Ermittler Philip Mudd bricht in Tränen aus, als er die Tragödie von Florida im Fernsehen live kommentieren soll. "Wann werden wir endlich diesen Wahnsinn stoppen?", sagt er.

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Die Marjory Stoneman Douglas Highschool in Parkland hat rund 3000 Schüler und liegt in einer wohlhabenden Gegend von Süd-Florida. Bis zur edlen Strandresidenz von Donald Trump Mar-a-Lago sind es mit dem Auto gerade einmal 50 Minuten, Miami erreicht man in 30 Minuten.

Um 14.40 Uhr, kurz vor Schulschluss, eröffnet der Täter wahllos das Feuer auf Schüler und Lehrer. Er betritt das Schulgebäude und löst den Feueralarm aus, offenbar um für Verwirrung zu sorgen - und um möglichst viele Menschen zu töten. Augenzeugen berichten später, Nikolas Cruz habe Rauchbomben geworfen und sei mit einer Gasmaske und etlichen Magazinen für sein Gewehr ausgerüstet gewesen.

Im allgemeinen Chaos versucht der Täter anschließend, zwischen anderen Schülern unerkannt aus der Schule zu fliehen. Doch die Polizei nimmt die Verfolgung auf und kann ihn nach einer Stunde stellen.

Was ehemalige Mitschüler über den Schützen berichten

Cruz befindet sich nun in Polizeigewahrsam und wird verhört. Über seine genauen Motive ist noch nicht viel bekannt.

Ehemalige Mitschüler des Täters berichten, Cruz habe vor einiger Zeit wegen schlechten Benehmens und Gewalttätigkeiten die Schule verlassen müssen. Auch sei er als Waffennarr bekannt gewesen. Er habe mit seinen Waffen geprahlt. Außerdem soll Cruz in den sozialen Netzwerken wilde Drohungen ausgesprochen haben. Bei YouTube soll er bereits vor Monaten angekündigt haben, dass er Menschen töten wolle.

Für seine Tat nutzte Cruz ein Gewehr vom Typ AR-15, es ist inzwischen eine der bevorzugten Waffen von Amokschützen in den USA. Das Gewehr lässt sich in vielen Bundesstaaten relativ problemlos für einige Hundert Dollar kaufen. "Für einen 19-Jährigen in Florida ist es wahrscheinlich schwieriger, ein Bier zu bekommen als eine solche Waffe", sagt der Juraprofessor und Waffengegner Richard W. Painter. Tatsächlich kann man ein AR-15 Gewehr bereits ab einem Alter von 18 Jahren kaufen. Bier und Pistolen gibt es erst ab 21.

So reagiert die Politik

Die Politik in Washington reagiert auf das Drama von Florida mit dem immer gleichen Ritual. US-Präsident Trump verkündete in einer ersten Stellungnahme via Twitter, er werde für die Opfer beten.

Die Demokraten forderten empört schärfere Waffengesetze. Im Kapitol schimpfte Senator Chris Murphy mit bebender Stimme: "Wir alle sind für diese Tragödien mitverantwortlich."

Ändern wird sich an den laschen Waffengesetzen in den USA aber auch diesmal wohl wie üblich: nichts. Trump und seine Republikaner verteidigen trotz der immer neuen Massaker in jeder Sonntagsrede den in der Verfassung garantierten freien Besitz von Waffen. Den Demokraten fehlen im Kongress die Mehrheiten, um daran etwas zu ändern.

Das blutigste Jahr in der jüngeren US-Geschichte

Nach jüngsten Berechnungen der "New York Times" stellen Amerikaner etwa 4,4 Prozent der Weltbevölkerung, ihnen gehören inzwischen aber 42 Prozent aller Waffen auf der Erde. Die hohe Zahl von Waffen im ganzen Land und die ständige Verfügbarkeit von Gewehren und Pistolen aller Art lässt die Zahl der Attacken immer weiter ansteigen.

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US-Bundesstaat Florida: Schüsse an der Marjory Stoneman Douglas High School

Foto: WSVN.com/ REUTERS

2017 war in dieser Hinsicht das blutigste Jahr in der jüngeren US-Geschichte: Es gab insgesamt 345 Angriffe. So hat sich eine tödliche Routine entwickelt, viele der "kleineren" Zwischenfälle mit vier oder fünf Opfern sind den großen Zeitungen und TV-Sendern kaum mehr längere Meldungen wert.

Die bislang schwersten Angriffe an Bildungseinrichtungen ereigneten sich 2012 in der "Sandy Hook"-Grundschule in Newtown, damals wurden 20 Menschen getötet, darunter viele Kinder; 2007 tötete ein 23-Jähriger 32 Menschen an einer Universität in Virginia.

Die meisten Highschools in den USA überprüfen ihre Schüler an den Eingängen auf Waffen, ähnlich wie an Flughäfen. Auch gibt es regelmäßig Übungen, wie sich die Schüler im Falle einer Attacke durch einen "active shooter" zu verhalten haben.

Es sind verzweifelte Versuche, Dinge zu verhindern, die sich in einer Gesellschaft voller Waffen nicht verhindern lassen.


Zusammengefasst: Ein 19-Jähriger hat in seiner ehemaligen Schule in Parkland im US-Bundesstaat Florida das Feuer eröffnet und 17 Menschen getötet. Die Polizei nahm ihn fest. US-Politiker sind erschüttert - an den laschen Waffengesetzen im Land wird sich aber auch nach dem jüngsten Massaker wohl nichts ändern.

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