Attentäter von Florida Vor der Festnahme zu McDonald's

Er ließ sich zur Schule fahren, schoss dort um sich und ging anschließend einkaufen: Nach und nach werden mehr Details zum Attentäter von Florida bekannt. Er soll einer Rassistengruppe nahegestanden haben.
Gedenken an die Opfer des Attentats

Gedenken an die Opfer des Attentats

Foto: MARK WILSON/ AFP

Der 19 Jahre alte Nikolas Cruz hat den Mord an 17 Menschen in der Marjory Stoneman Douglas High School in Florida gestanden. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, aus denen mehrere Medien zitieren. Demnach sagte Cruz aus, das Schulgelände mit dem Schnellfeuergewehr AR-15 betreten und auf Schüler geschossen zu haben, die er in den Gängen und auf dem Gelände gesehen habe. Anschließend habe er seine Waffe und Ausrüstung weggeworfen, um sich unter die Menschen zu mischen, die aus der Schule geflohen seien.

Inzwischen erschien Cruz erstmals vor Gericht, er äußerte sich dabei nicht zu den Vorwürfen. Doch nach und nach werden weitere Details zu dem Attentäter von Parkland bekannt.

So soll das FBI bereits im vergangenen September einen Hinweis auf Cruz erhalten haben. Es ging dabei um einen Kommentar unter einem YouTube-Video, in dem der Verfasser prahlte: "Ich werde ein professioneller Schul-Attentäter sein." Der Urheber des Videos meldete den Kommentar, das FBI ging diesem Hinweis nach. Es habe allerdings weder Hinweise auf eine Zeit, einen Ort oder die wahre Identität des Verfassers gegeben, sagte FBI-Ermittler Robert Lasky vor Reportern. Man habe nicht herausfinden können, wer den Kommentar verfasst habe.

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US-Bundesstaat Florida: Schüsse an der Marjory Stoneman Douglas High School

Foto: WSVN.com/ REUTERS

Auch der zuständige Bezirkssheriff Scott Israel machte am Donnerstag weitere Angaben zu Cruz. Israel zufolge fuhr der 19-Jährige mit dem Fahrdienstvermittler Uber zur Schule und schoss dort auf Menschen in insgesamt fünf Klassenräumen. Anschließend habe sich Cruz unter fliehende Schüler gemischt und sei unerkannt aus der Schule entkommen. Er habe dann zuerst einen Walmart-Supermarkt aufgesucht, ein Getränk bei Subway gekauft und sei dann in eine McDonald's-Filiale gelaufen. 40 Minuten, nachdem er sie verlassen hatte, wurde er auf einem Bürgersteig festgenommen. Er leistete keinen Widerstand.

Video zur Schulschießerei in Florida: "Er war vorbereitet"

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Weiter unklar ist, ob Cruz einer rechtsextremen Gruppe nahestand. Die Menschenrechtsorganisation Anti Defamation League (ADL) teilte am Donnerstag mit, Cruz habe zur sogenannten Republic of Florida gehört und an deren paramilitärischem Training in Tallahassee teilgenommen. Dort hat die Gruppe ihren Sitz. Als Quelle zitierte die ADL den mutmaßlichen Anführer der Rassistengruppe, Jordan Jereb. Er sagte der ADL nach deren Angaben, dass seine Vereinigung nichts mit dem Schulmassaker zu tun habe. Seine Gruppierung habe den Anschlag weder angeordnet noch unterstützt.

Dem Onlinenachrichtenportal "Daily Beast"  sagte Jereb, Cruz habe der "Zelle" seiner Vereinigung in Clearwater angehört. Die Stadt liegt rund 300 Kilometer nordwestlich von Parkland. Der Teenager habe dort an den Trainingseinheiten teilgenommen. Dieses Training habe Cruz "wahrscheinlich dafür genutzt", um den Anschlag auf die Schule zu verüben, sagte Jereb.

Foto: SPIEGEL ONLINE (Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL); Foto: Google Earth)

Ein Sprecher des Bezirkssheriffs in Tallahassee sagte, es gebe keine Hinweise auf eine Verbindung zwischen Cruz und der "Republic of Florida". Die Gruppe beschreibt sich auf ihrer Website als "weiße Bürgerrechtsorganisation", die für die weiße Identität kämpfe. Sie tritt demnach für einen "weißen Ethnostaat" auf dem Territorium des US-Bundesstaats Florida ein.

Das Massaker von Parkland ist eines der folgenschwersten an einer Schule in den USA. Nach einer Zählung der "New York Times" wurden nach der Bluttat von Sandy Hook im Jahr 2012 bei über 200 sogenannten School Shootings mehr als 400 Menschen von Kugeln getroffen, 138 von ihnen starben.

Im Video: Blinde Wut - Die Anatomie des Amoks

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Anmerkung der Redaktion: Wir hatten fälschlicherweise berichtet, dass nach einer Zählung der New York Times seit 2012 mehr als 400 Menschen bei School-Shootings starben. Tatsächlich wurden 400 Menschen von Kugeln getroffen, 138 von ihnen starben. Wir haben die Passage entsprechend berichtigt.

aar/dpa/AP/Reuters/AFP
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