Fluchtauto gefunden Millionenerpresser Wolf nur knapp entkommen

Seit acht Jahren liefert er sich mit der Polizei ein Katz-und-Maus-Spiel. Nun ist Deutschlands meistgesuchter Verbrecher erneut ganz knapp entkommen. Im Fluchtauto von Thomas Wolf steckte noch der Zündschlüssel.


Frankfurt am Main - Die Polizei geht davon aus, dass der Gewaltverbrecher Thomas Wolf noch immer in Deutschland ist. Am Freitag fanden Beamte seinen festgefahrenen Fluchtwagen in einem Waldstück bei Delmenhorst in Niedersachsen. Der wahrscheinlich bewaffnete Ex-Häftling hatte Ende März eine Wiesbadener Bankiersgattin entführt und 1,8 Millionen Euro erpresst.

Gewaltverbrecher Thomas Wolf: Seit neun Jahren auf der Flucht
AP/Polizei

Gewaltverbrecher Thomas Wolf: Seit neun Jahren auf der Flucht

Wolf hat den silbernen VW Golf Variant am Freitag offenbar Hals über Kopf verlassen, berichtete die Polizei am Samstag in Frankfurt am Main. Vermutlich hat er für seine Flucht ein hochwertiges Fahrrad benutzt, das er möglicherweise ohne Sattel fuhr. Der lag ebenso in dem Mietwagen wie Nummernschilder, die Wolf wahrscheinlich im Laufe seiner Flucht gestohlen hat.

Die Ermittler gehen jetzt davon aus, dass sich der 56-jährige Wolf eine Zeit lang im Landkreis Oldenburg aufgehalten und im Auto geschlafen hat. "Wodurch sich Wolf zur plötzlichen Flucht veranlasst sah, bei der er das Fahrzeug unverschlossen, einschließlich einiger persönlicher Gegenstände zurückließ, wird zurzeit geklärt", teilte die Polizei mit. Im Auto fanden die Polizisten unter anderem einige tausend Euro. Bei seiner Flucht ließ er sogar den Zündschlüssel stecken.

Eine Hundertschaft der Polizei durchsuchte nach dem Fund den Wald, Wolf konnte jedoch entwischen.

Neben dem ursprünglichen Kennzeichen HH-FU 7109 des Mietwagens fanden die Beamten die beiden in Berlin gestohlenen Kennzeichen AP-FY 43 und M-XA 8036 sowie KT-LV 44, das im Bereich Würzburg verschwunden war. Die Ermittler suchen nun Zeugen, denen das Auto in den vergangenen Wochen aufgefallen ist.

Wolf ist einer der meistgesuchten Verbrecher Deutschlands und wird auch mit internationalem Haftbefehl gesucht. Er hatte fast acht Jahre mit falscher Identität - unter dem Namen David van Dijk - im Frankfurter Westend bei einer ahnungslosen Frau gewohnt. Auf ihren Namen war auch der Golf Variant angemietet, mit dem er auf der Flucht ist.

Wolf war im Jahr 2000 von einem Hafturlaub nicht in das Gefängnis von Moers zurückgekehrt, wo er noch sechs von insgesamt 21 Jahren Haft absitzen musste. Seitdem wird er für mehrere Überfälle in Deutschland, Belgien und den Niederlanden verantwortlich gemacht. Unter anderem soll er in Hamburg im Jahr 2000 eine halbe Million Mark geklaut haben.

Für Hinweise auf den Täter und das verschwundene Lösegeld ist eine Belohnung von inzwischen 100.000 Euro ausgesetzt. Wolf ist 1,85 Meter groß, trägt zeitweise eine Brille, spricht hochdeutsch, gegebenenfalls mit rheinländischem Dialekt, aber auch Niederländisch und sehr gut Englisch.

ler/dpa/AP



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