BKA-Zahlen 45 Brandanschläge auf Asylbewerberunterkünfte seit Jahresbeginn

Das Bundeskriminalamt zeigt sich angesichts der Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte besorgt - 45 waren es in diesem Jahr schon. Die Qualität der Gewalt steige.

Brennende Asylbewerberunterkunft in Weissbach
DPA

Brennende Asylbewerberunterkunft in Weissbach


Fast zehn Anschläge pro Monat: Seit Beginn des Jahres haben 45 Flüchtlingsunterkünfte gebrannt. Die Zahl nannte der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, laut einem Bericht der Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Uns bereitet vor allem Sorge, dass die Qualität der Gewalt steigt", sagte Münch.

Die Täter seien überwiegend männlich und fast 80 Prozent kämen aus dem Ort, an dem auch die Straftat verübt wurde. Aktuell gebe es keine Erkenntnisse zu überregionalen rechtsextremistischen Strukturen, die gezielt Anschläge auf Flüchtlinge organisieren.

"Allerdings sehen wir durchaus das Risiko der Bildung krimineller oder gar terroristischer Strukturen - ausschließen dürfen wir das nicht und nehmen diese Gefahr sehr ernst", sagte Münch.

Er zeigte sich auch besorgt über die steigende verbale Gewalt im Internet. "Die Zahl der Delikte, die wir hier im Jahr 2015 registriert haben, hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht und liegt bei etwa 3000 Fällen", sagte er. "Wir gehen davon aus, dass verbale Gewalt eine Vorstufe für Übergriffe auf Flüchtlinge sein kann - die Sprache kommt häufig vor der Tat."

Erst vor wenigen Tagen stand in Gelsenkirchen eine Zelthalle in Flammen, in der Dutzende Flüchtlinge untergebracht waren. Nach Angaben der Stadt konnten sich die Bewohner ins Freie retten, Verletzte gab es nicht. Anders im Februar, als ein Haus in Thüringen in Flammen stand: Bei dem Brand in dem Gebäude, in dem auch Flüchtlinge untergebracht waren, wurde eine Frau verletzt.

vks/dpa/AFP



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