Vor der libyschen Küste Bewaffnete sollen Bootsflüchtlinge im Mittelmeer getötet haben

Mehrere Tote, mehr als ein Dutzend Vermisste: Nach Angaben der Hilfsorganisation Sea-Watch haben bewaffnete Angreifer vor der Küste Libyens Bootsflüchtlinge angegriffen - während einer Rettungsaktion.


Bei einem bewaffneten Angriff auf ein Flüchtlingsboot vor der Küste Libyens sind nach Angaben einer deutschen Hilfsorganisation mindestens vier Menschen getötet worden. 15 bis 25 weitere würden noch vermisst, sagte ein Sprecher der Organisation Sea-Watch.

Demnach kamen die Angreifer mit einem Schiff mit Abzeichen der libyschen Küstenwache in der Nacht zum Freitag zu dem Flüchtlingsboot, von dem die Helfer gerade versuchten, die Insassen zu retten. Die Angreifer seien auf das Boot gekommen und hätten mit Knüppeln auf die Flüchtlinge eingeschlagen. Insgesamt sollen sich 150 Migranten auf dem Boot befunden haben.

Die beiden Schnellboote von Sea-Watch wurden während der Attacke demnach von den Angreifern bedrängt, sodass die Helfer die Flüchtlinge weder mit medizinischer Ausrüstung noch mit Rettungswesten versorgen konnten. Daraufhin sei auf dem Boot eine Massenpanik ausgebrochen, ein Teil des Schlauchboots sei geplatzt - woraufhin fast alle Insassen ins Wasser gerutscht seien. Etliche seien ertrunken.

Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Watch 2" einer privaten Hilfsinitiative, das im Mittelmeer zur Rettung von Flüchtlingen unterwegs ist, war demnach von der italienischen Küstenwache zu Hilfe gerufen worden. Es ging nach Angaben von Sea-Watch um ein völlig überladenes Schlauchboot, das sich vor der Küste Libyens in internationalen Gewässern befunden habe. Ein von der Küstenwache umgeleiteter Öltanker habe die Rettungsaktion abgesichert.

Die Besatzungen der beiden Sea-Watch-Boote hätten 120 der 150 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer retten können, teilte die Organisation weiter mit. Eine zweistellige Zahl von Menschen sei bislang nicht geborgen worden, vier seien ohne Bewusstsein und befänden sich in medizinischer Behandlung.

Wer hinter dem mutmaßlichen Angriff steht, ist noch völlig offen. Die Angreifer hätten nervös gewirkt und ausschließlich arabisch gesprochen, sagte ein Sprecher von Sea-Watch. Sie hätten unter anderem versucht, den Motor des Flüchtlingsboots zu stehlen.

Der Vorfall ereignete sich demnach 14 Seemeilen vor der nordafrikanischen Küste. Eine offizielle Bestätigung vonseiten libyscher Behörden gibt es bislang nicht. Die italienische Küstenwache bestätigte lediglich die Rettung von 120 Flüchtlingen in der Nacht, äußerte sich über die Umstände aber nicht. Sea-Watch kündigte an, im Laufe des Tages weitere Informationen über den Vorfall zu veröffentlichen.

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mxw/AFP

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