Flüchtlinge im Ärmelkanal Imam hilft Schleusern mit Booten - Haftstrafe

Ein französisches Gericht hat einen muslimischen Geistlichen zu zwei Jahren Haft verurteilt. Der Imam soll geholfen haben, Migranten über den Ärmelkanal zu bringen.

Schlauchboot am Strand nahe dem englischen Dover
Dan Kitwood/ Getty Images

Schlauchboot am Strand nahe dem englischen Dover


Ein Gericht im nordfranzösischen Boulogne-sur-Mer hat einen aus Iran stammenden Imam zu zwei Jahren Haft verurteilt. Der 39-Jährige war angeklagt, mehrere Überfahrten für Geflüchtete von Nordfrankreich nach England organisiert zu haben. Laut Staatsanwaltschaft war er mit organisierten Schleuserbanden in Kontakt.

Laut einem Bericht des französischen "Figaro" hatte der Mann gestanden, mehrere Boote bereitgestellt zu haben, mit denen Flüchtlinge über den Ärmelkanal gebracht wurden. Bei Verkündung des Urteils sei er in Ohnmacht gefallen.

Ein weiterer Angeklagter, ein 29-Jähriger aus dem Senegal, wurde zu neun Monaten Haft verurteilt. Ihm wurde außerdem für drei Jahre der Aufenthalt in den französischen Départements Nord sowie Pas-de-Calais untersagt. Beide Männer waren im April festgenommen worden.

Im März hatten Ermittler Rettungswesten, nasse Pullover und ein Schlauchboot an einem Strand im Norden Frankreichs gefunden. Im Haus des Imams entdeckte die Polizei zwei Schlauchboote, drei Außenbordmotoren sowie weitere Rettungswesten.

Französische Polizeipatrouille an einem Strand nahe Calais
Philippe Hugen/ AFP

Französische Polizeipatrouille an einem Strand nahe Calais

Die Angeklagten hatten im Prozess gestanden, zwischen Dezember 2018 und April 2019 insgesamt sieben Boote gekauft zu haben. Der Imam sagte aus, er habe sie in Deulemont, an der Grenze zu Belgien, bei einem Mann namens Kemal erworben. Beide Angeklagten erklärten, sie hätten nicht gewusst, dass die Boote für illegale Grenzübertritte genutzt werden sollten.

"Als ich das erfahren habe, dachte ich an die Kinder an Bord, und dass es hätte Tote geben können", sagte der Mann aus dem Senegal vor Gericht. Der Imam erklärte, er schäme sich. Die Angaben der Angeklagten spiegelten nicht die Realität wider, so das Gericht.

Die Zahl der Migranten, die versuchen, über den Ärmelkanal zu gelangen, ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Die Überfahrt im Schlauchboot ist wegen der starken Strömung, des kalten Wassers und möglicher Kollisionen gefährlich.

In Frankreich werden laut "Figaro" europaweit die meisten Geflüchteten in Abschiebehaft genommen. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 45.800 Personen in Gewahrsam. Im Durchschnitt dauert die Abschiebehaft knapp 15 Tage, immer häufiger überschreitet sie 30 Tage. Seit dem 1. Januar ist in Frankreich ein Gesetz in Kraft, wonach eine Inhaftierung bis zu 90 Tagen erlaubt.

ala



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