Misshandlungen in Asylbewerberheimen
"Ruhm und Ehre" auf dem Unterarm
Stammen einige Wachleute des Asylbewerberheims in Burbach aus der Neonazi-Szene? Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hat einer der Männer eine einschlägige Tätowierung. Gegen einen anderen lief bereits ein entsprechendes Verfahren.
Flüchtlingsheim in Burbach: Wachleute aus der Neonazi-Szene?
Foto: Federico Gambarini/ dpa
Die Misshandlungen nordafrikanischer Flüchtlinge im Asylbewerberheim von Burbach hatten womöglich einen rechtsextremen Hintergrund. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE trägt der frühere Wachmann Markus H., 30, offenbar auf einem Unterarm die Tätowierung "Ruhm und Ehre". Die Parole ist bei Neonazis beliebt, auch weil sie nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs nicht unter das Verbot des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen fällt.
Markus H. und seinem damaligen Kollegen Markus K., 26, wird vorgeworfen, vor einigen Wochen im Asylbewerberheim im nordrhein-westfälischen Burbach einen Flüchtling misshandelt und gedemütigt zu haben.
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Ein Foto, das die Ermittler auf dem Telefon eines anderen Wachmannes entdeckt hatten, zeigt das Duo und einen am Boden liegenden 28-jährigen Algerier, dessen Hände auf dem Rücken gefesselt sind. H. steht mit seinem rechten Fuß auf dem Kopf des Hilflosen. Die Demütigung stellten K. und H. in ihren Vernehmungen als Notwehr dar, die Siegerpose sei Folge ihrer Erleichterung über einen erfolgreich abgewehrten Angriff gewesen.
Den Ermittlungsbehörden gegenüber bezeichnete H. die Tätowierung als Jugendsünde. Er würde sich das heute nicht mehr stechen lassen, sagte er nach Informationen von SPIEGEL ONLINE. Sein früherer Kollege Markus K. ist nicht entsprechend tätowiert. K. hatte den Ermittlern freiwillig seinen Oberkörper gezeigt, Markus H. tat das nicht.
Wie der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Dienstag in Düsseldorf sagte, prüfen die Ermittler derzeit die Möglichkeit eines fremdenfeindlichen Hintergrunds für die Übergriffe in Asylbewerberheimen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen wurde gegen einen anderen ehemaligen Wachmann aus dem Heim in Burbach, Maik L., bereits wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen ermittelt. In dem aktuellen Verfahren zählt L. jedoch bislang nicht zu den Beschuldigten.