Flughafenmordprozess Lebenslange Haft für Mord an Ex-Frau

Er erschoss seine Ex-Frau mitten in einer Menschenmenge am Stuttgarter Flughafen: Jetzt verurteilte ein Gericht den Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. "Er wollte die Tat bewusst spektakulär inszenieren, um seine Ehre wieder herzustellen", so der Richter.


Stuttgart - Die Richter am Stuttgarter Landgericht sprachen den 32-jährigen Avdyl L. heute des heimtückischen Mordes und der Körperverletzung schuldig. Sie stellten außerdem eine besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Entlassung aus der Haft nach frühestens 15 Jahren ist damit unwahrscheinlich. "Er wollte die Tat bewusst spektakulär inszenieren, um seine Ehre wieder herzustellen", sagte der Richter.

Der Angeklagte L. vor Gericht: "Abneigung und Verlust gespürt"
DDP

Der Angeklagte L. vor Gericht: "Abneigung und Verlust gespürt"

Der aus dem Kosovo stammende und in Deutschland lebende L. hatte das Verbrechen in dem Prozess gestanden, jedoch bestritten, dass es sich um eine geplante Tat gehandelt habe. Er hatte die 25-jährige Suzana L. Ende März 2007 in einer Abfertigungshalle des Flughafens vor den Augen zahlreicher Reisender mit sechs Schüssen aus einer Pistole niedergestreckt. Kurz darauf wurde er in einem Parkhaus des Flughafens festgenommen.

Anlass für den Mord soll ein Streit um das Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Töchter gewesen sein. Die Frau befand sich auf den Weg nach Pristina, um die Kinder dort zu besuchen. Die Erlaubnis dafür hatte sie bei einem deutschen Gericht erstritten. Bei der Scheidung im Kosovo war dem Mann das alleinige Sorgerecht zugesprochen worden.

Er habe "Abneigung und Verlust" gespürt, als er seine Frau in der Schalterhalle gesehen habe, hatte L. bei Prozess-Auftakt Mitte September erklärt. Es habe ihn sehr belastet, dass seine ehemalige Frau schlechte Dinge über ihn verbreitet habe. So habe die 25-Jährige nach der Scheidung behauptet, eine der beiden gemeinsamen Töchter sei die "Frucht einer Vergewaltigung". Er habe mit ihr sprechen wollen, doch sie habe ihm nur die Zunge herausgestreckt. Da habe er auf sie "eingeschossen, bis das Magazin leer war".

Bei den Schüssen war auch ein Unbeteiligter leicht verletzt worden. Der Angeklagte wurde deshalb auch wegen Körperverletzung verurteilt.

ala/dpa/DDP



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