Flugzeugattacken Mastermind auf der Flucht

Als "den Mann, der die nächste Attacke auf Amerika plant" beschreibt ihn ein US-TV-Sender: Matiur Rehman. Der Topterrorist soll für die vereitelten Anschläge von London verantwortlich sein. Jetzt suchen die Fahnder mit Hochdruck nach dem Qaida-Mann.

Von Dominik Baur


Hamburg - Einmal hätten sie ihn schon fast gehabt. Im letzten Monat soll Matiur Rehman in einem Slum im Norden Karatschis gesichtet worden sein, aber als die Polizei zuschlagen wollte, war der wohl meistgesuchte Pakistaner wieder verschwunden. Zehn Millionen Rupien (etwa 130.000 Euro) hat die Regierung auf die Ergreifung des mutmaßlichen Topterroristen ausgesetzt.

Fahndungsfoto von Matiur Rehman: Zehn Millionen Rupien Belohnung
AP

Fahndungsfoto von Matiur Rehman: Zehn Millionen Rupien Belohnung

Denn Rehman, so berichtet der US-Sender ABC News unter Berufung sowohl auf pakistanische als auch auf amerikanische Quellen, ist das Mastermind, das hinter etlichen Terroranschlägen im Umfeld der Qaida steht und bereits die nächste große Attacke auf die USA plant. Auch bei den Untersuchungen zu den vereitelten Flugzeugattacken von London sind die Ermittler dem Sender zufolge auf eine Spur gestoßen, die zu Rehman führt.

Nach fünf Verdächtigen, so heißt es unter Berufung auf pakistanische Sicherheitsbeamte, werde noch gefahndet - darunter auch der Kopf der verhinderten Attentäter. Rehman, dessen Alter mal mit Ende 20, mal mit Anfang 30 angegeben wird, soll der Terrororganisation al-Qaida angehören. Zu den ihm zugerechneten Anschlägen werden auch mehrere Attentatsversuche auf den pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf gezählt. Der blutige Anschlag auf das US-Konsulat in Karatschi Anfang des Jahres, bei dem ein amerikanischer Diplomat ums Leben kam, soll ebenfalls auf Rehmans Konto gehen.

Damals schon warnten US-Sicherheitsbeamte, es gebe ein "pakistanisches Netzwerk", das versuchen könnte, mehrere internationale Attentate auszuführen. Seit den Anschlägen vom 11. September habe der Terrorist einen "spektakulären Anschlag" geplant.

Die entscheidende Schnittstelle

Die Rolle Rehmans, der sich auch gern mal Akeel Khan oder Sadamd Sial nennt, beschreibt ABC News als die eines Qaida-Planungsdirektors, der das "Telefonbuch des Dschihad" verwaltet. Darin befinden sich alle Rekruten, die in den neunziger Jahren einmal in einem Qaida-Trainingscamp ausgebildet wurden und seither über die ganze Welt verstreut ihrem Alltag nachgehen und auf den Einsatzbefehl warten. Ihre Zahl soll in die Tausende gehen. Unterstützt wird Rehman von seinem Vize, einem Landsmann namens Qari Hassan.

Früher fungierte Rehman dem Bericht zufolge selbst als Ausbilder in verschiedenen Qaida-Camps. Er soll den Terrornovizen den Umgang mit Sprengsätzen beigebracht haben. Auch an der Rekrutierung der willigen Islamisten soll er als Mitglied verschiedener pakistanischer Terrorgruppen maßgeblich beteiligt gewesen sein. Insgesamt sollen in den Ausbildungscamps über die Jahre hinweg 10.000 bis 50.000 junge Menschen trainiert worden sein. Die "besten" unter ihnen traten im Anschluss direkt in die Dienste der Qaida ein, die übrigen wurden vor allem für Attentate in Pakistan eingesetzt.

Schon im März warnte Alexis Debat, ein ehemaliger Sicherheitsberater im französischen Verteidigungsminister im Gespräch mit ABC News: "Rehman ist extrem gefährlich, weil er die entscheidende Schnittstelle zwischen dem Gehirn und den Muskeln der Qaida ist, die dieser Tage vor allem aus militanten Pakistanern bestehen."



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