Fluterschen-Missbrauchsprozess Detlef S. muss mehr als 14 Jahre ins Gefängnis

Detlef S. kommt möglicherweise nie wieder auf freien Fuß: Das Landgericht Koblenz hat den Angeklagten im Westerwälder Missbrauchsprozess zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Zudem ordneten die Richter anschließende Sicherungsverwahrung an.


Koblenz - Über Jahrzehnte terrorisierte Detlef S. seine Familie im kleinen Dorf Fluterschen im Westerwald. Er missbrauchte und vergewaltigte seine Kinder. Er verkaufte seine Tochter und Stieftochter an andere Männer. Mit seiner Stieftochter zeugte der heute 48-Jährige acht Kinder. Für seine Taten hat ihn das Landgericht Koblenz am Dienstag zu 14 Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Richter ordneten zudem anschließende Sicherungsverwahrung an. Das Urteil entspricht der Forderung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage.

Am Montag hatte S. überraschend alle Punkte aus dem Plädoyer der Anklage bestätigt und ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er gab zu, seine leibliche Tochter, eine Stieftochter und deren Zwillingsbruder jahrelang missbraucht und vergewaltigt zu haben. Zudem gab er zu, die beiden Mädchen für Geld an andere Männer verkauft zu haben. Zudem teilte der 48-Jährige über seinen Anwalt mit, er habe sich "grundsätzlich falsch verhalten".

Er räumte ein, sowohl seine Tochter als auch die Stieftochter zu fremden Männer gefahren, sie zur Prostitution gezwungen und dafür Geld bekommen zu haben. Zuvor hatte S. nur die Übergriffe auf seine Tochter eingeräumt und zugegeben, acht Kinder mit seiner Stieftochter gezeugt zu haben.

Fotostrecke

6  Bilder
Urteil: Prozess gegen Detlef S.
Insgesamt warf die Staatsanwaltschaft S. rund 160 Fälle von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung sowie Beihilfe zu diesen Taten vor. Opfer waren die heute 18 Jahre alte Tochter, eine 27 Jahre alte Stieftochter und deren Zwillingsbruder. Die Staatsanwaltschaft hatte sich von S.' spätem Geständnis wenig beeindruckt gezeigt. Die Anklagebehörde hatte es als "taktisches Vorgehen" gedeutet. Detlef S. zeige keine wirkliche Reue.

"Er hat eine intensive Neigung zu sexuellen Übergriffen auf Kinder und ist daher auch für die Allgemeinheit gefährlich", hatte Staatsanwalt Thorsten Kahl gesagt. Ein Gutachter hatte S. vor Gericht als voll schuldfähig eingestuft, ihm zudem antisoziales und manipulierendes Verhalten attestiert.

Der Fall hatte bundesweit für großes Aufsehen gesorgt. Dabei war unter anderem das Jugendamt des Kreises Altenkirchen, das die Familie über Jahre hinweg betreut hatte, in die Kritik geraten. Die Mitarbeiter sollen trotz mehrfacher Hinweise auf Missbrauch in der Familie nicht ausreichend eingegriffen haben.

ulz/dpa/dapd

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.