Folter-Hinrichtung in Arizona Giftspritze wurde offenbar korrekt gesetzt

90 Minuten dauerte die Hinrichtung von Joseph Woods im US-Bundesstaat Arizona. Der mit der Untersuchung betraute Gerichtsmediziner hat bislang keine Erklärung für den qualvollen Todeskampf.

REUTERS

Phoenix - Joseph Woods rang mehr als 600 Mal um Atem, bevor er für tot erklärt wurde. 90 quälend lange Minuten dauerte die Exekution des Häftlings - eine Prozedur, die man nur als Folter bezeichnen könne, beklagte der US-Senator und ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain.

Erneut befeuert eine verpfuschte Hinrichtung die Debatte um die Todesstrafe in den USA. Seit Jahren suchen Exekutionsexperten nach neuen, verlässlichen Medikamenten für ihre tödlichen Giftspritzen. Immer wieder kommt es zu folgenschweren Fehlern, werden Spritzen ins Gewebe gesetzt anstatt in die Vene, Cocktails falsch gemischt oder Medikamente nicht richtig dosiert.

Bei Woods sei der tödliche Drogencocktail, das Beruhigungsmittel Midazolam und das Schmerzmittel Hydromorphon, direkt in die Vene gespritzt worden, betonte jetzt der mit der Obduktion betraute Gerichtsmediziner in Pima County, Gregory Hess. Auch habe er bei seiner Untersuchung keine unerklärlichen Verletzungen an der Leiche feststellen können.

Wood war nach dem Mord an seiner Ex-Freundin und deren Vater im Jahr 1991 zum Tode verurteilt worden. Er war der erste Todeskandidat, der mit eben dieser Kombination von Medikamenten umgebracht wurde. Anästhesisten hatten nach dem Debakel im Gefängnis von Pinal County erklärt, sie seien keineswegs überrascht, dass die Exekution so lange gedauert habe. Die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung sollen in vier bis sechs Wochen vorliegen.

Arizona ist kein Einzelfall: Im US-Bundesstaat Ohio hatte ein Insasse im Januar fast eine halbe Stunde lang gelitten, bevor er starb. In Oklahoma starb im April ein Verurteilter an einem Herzschlag, kurz nachdem Gefängnisbeamte seine Exekution unterbrochen hatten, weil die Medikamente nicht korrekt verabreicht worden waren.ausgesetzt.

Hinrichtungen seit 1976

ala/AP

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demokroete 29.07.2014
1. Führungsmacht westlicher Wertegemeinschaft setzt Spritze korrekt
So,so ! Was sind das überhaupt für menschenverachtende Methoden ? Wo doch sonst bei jeder Gelegenheit gegenüber anderen Staaten der moralische Zeigefinger erhoben und auf die Überlegenheit der westlichen Werte hingewiesen wird.
BlakesWort 29.07.2014
2.
Die Todesstrafe ist in all ihren Anlagen ein Folter-Instrument. Schon allein die vielen Ansetzungen, Verschiebungen und der Strafvollzug bis dahin, sind psychologische Folter, an der viele Verurteilte zerbrechen. Nehmen wir die unschuldig Exekutierten mal völlig raus, so gibt es trotzdem keine logische Begründung, warum sich ein Rechtstaat auf die moralisch niedrigste Ebene der Mörder herabbegibt. Die Todesstrafe hat keine erzieherische Wirkung und preiswerter als eine lebenslange Verwahrung ist sie auch nicht. Sie erfüllt bestenfalls einen archaischen Zweck des Auge um Auge, Zahn um Zahn, was schon immer ein schwaches Argument war, um einem anderen Menschen ein ebenso großes Leid zuzufügen.
imri.rapaport 29.07.2014
3. Die todesstrafe
hat noch nie davor bewahrt oder abgeschreckt. Daß in den USA so viele Menschen zum Tode verurteilt werden liegt primär daran, daß im Amerika doppelt soviel Waffen im Privathand sind als die Gesamtbevölkerung. Wer so einfach jemand töten kann kommt auch selber schneller (durch den Staat) zu Tode. Hier gelten noch die archaische Grundrechte des biblischen Anachronismus; Zahn um Zahn und Aug um Aug.
hjcatlaw 29.07.2014
4. Bei allem Respekt
vor der der Kritik an der Todesstrafe im allgemeinen, der ich mich voll umfänglich anschliesse, aber die verunglückte Hinrichtung des Herrn Woods als "Folter-Hinrichtung" zu bezeichnen, ist ein journalistischer Fehlgriff auf übelstem Niveau. Jeder auch nur halbwegs informierte Grundschüler weiß, dass Folter die besusste und vorsätzliche Applikation von physischen oder psychischen Schmerzen ist. Dass dieses die Absicht der Verantwortlichen bei der Woods Hinrichtung gewesen sein soll, ist weder erwiesen noch ersichtlich. Ich hoffe, dass die sprachliche Entgleisung des verantwortlichen Journalisten bei "spon" ein Einzelfall bleibt - anderenfalls kann ich gleich die "Bild" im Abo bestellen, und das will eigentlich niemand!
mrmink 29.07.2014
5. Unfähig
Entweder steckt ein System dahinter um eine Abschreckung zu erreichen oder aber diese Ärzte sind einfach unfähig. Jede halbwegs ausgebildete Krankenschwester ist in der Lage mit den Mitteln ihres Medikamentenschranks einen Cocktail zu mischen mit dem sie einen Menschen schnell zu Tode spritzen kann.
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